#73 Marion Zöchbauer: Wie erkenne ich Greenwashing?

Shownotes

Von „CO₂-neutral“ bis „klimapositiv“ - viele Unternehmen schreiben sich diese grünen Claims auf die Fahne. Aber was steckt wirklich dahinter?

Anna Kratki hat mit Marion Zöchbauer von der Klimaschutzakademie drüber gesprochen und wollte wissen,

  • woran man denn Greenwashing erkennen kann,
  • welche neuen EU-Regeln kommen, um es zu verhindern
  • und wie Unternehmen echten Klimaschutz umsetzen können.

Hier geht's zur Klimaschutzakademie: https://www.klimaschutzakademie.com/

Lasst uns wissen, wie ihr die Folge fandet!

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00:00:07: Du kaufst Bio, achtest vielleicht auch beim Shoppen auf Fair Fashion,

00:00:10: das bedeutet, das ist vielleicht nachhaltig produziert

00:00:13: und hast vielleicht auch schon mal bei einem Flug

00:00:15: einen sogenannten CO2-Ausgleich gezahlt,

00:00:19: weil du gedacht hast: Ich tue was Gutes.

00:00:22: Und im Nachhinein kommt man drauf, alles nur Schein.

00:00:25: Das bedeutet Greenwashing.

00:00:27: Tja, damit bist du auf jeden Fall nicht allein.

00:00:30: Und während wir Konsumierenden immer versuchen, das Richtige zu tun,

00:00:34: schmücken sich viele Unternehmen mit fremden Federn -

00:00:36: mit grünen Etiketten, mit cleverem Marketing,

00:00:39: aber vor allem mit einem: heiße, heiße Luft.

00:00:43: Und damit muss auf jeden Fall Schluss sein.

00:00:45: Denn Fakt ist, das Klima, das braucht kein Schönreden

00:00:49: und auch keinen Schein.

00:00:51: Ich wünsche mir persönlich Unternehmen, die nicht nur versprechen,

00:00:54: sondern auch wirklich verändern,

00:00:56: die persönlich besser werden wollen und den Klimaschutz ernst nehmen.

00:01:01: Und genau über das wollen wir heute sprechen.

00:01:03: Und da haben wir jemanden ganz besonderen eingeladen.

00:01:05: Unsere heutige Gästin Marion Zöchbauer, Leiterin der Klimaschutzakademie.

00:01:11: Ja, ich bin Geschäftsführerin der Klimaschutzakademie.

00:01:14: Bin auch Mutter von zwei Kindern,

00:01:15: lebe mit meinen Kindern und mit meinem Mann in Gänserndorf.

00:01:18: Hauptberuflich bin ich daher nicht nur Geschäftsführerin der Klimaschutzakademie.

00:01:23: Das wissen alle, die kleinere Kinder haben.

00:01:26: Beschäftige mich aber intensiv mit dem Thema Nachhaltigkeit,

00:01:29: jetzt schon seit einigen Jahren.

00:01:30: Und habe gemeinsam mit meinem Kollegen, dem Johannes Neimer-Stach,

00:01:34: die Klimaschutzakademie gegründet,

00:01:35: um Organisationen auf dem Weg zur Klimaneutralität zu begleiten.

00:01:39: Das machen wir über Beratung

00:01:41: und verschiedenste Aus- und Weiterbildungsformate,

00:01:44: offene und Inhouse-Programme.

00:01:46: Sehr cool, danke, dass du das jetzt nochmal zusammengefasst hast.

00:01:48: Jetzt vielleicht gleich mal die erste Frage:

00:01:50: Du arbeitest eben bei der Klimaschutzakademie

00:01:53: mit Unternehmen, die sagen, sie wollen klimaneutral werden.

00:01:57: Was bedeutet das genau?

00:01:59: Die ganz einfache, zugespitzte Antwort wäre jetzt:

00:02:02: 90 Prozent der Emissionen reduzieren.

00:02:05: Und die nicht so einfache Variante?

00:02:07: Und die nicht so einfache Variante ist dann natürlich,

00:02:10: dass man wirklich dahinterstehend berechnen muss,

00:02:12: wie viele Emissionen habe ich aktuell als Organisation,

00:02:15: wie viel muss ich am Ende auch wirklich ausgleichen.

00:02:19: Vielleicht sprechen wir eh noch über das Thema Kompensieren.

00:02:22: In der Einleitung ist es gefallen mit den Fluglinien.

00:02:24: Da gibt es schon einen Unterschied zwischen echtem Ausgleich,

00:02:28: um dann echte Klimaneutralität zu erreichen.

00:02:31: Also im Kern ist es dann wahrscheinlich nicht ganz so trivial,

00:02:35: wie wir das gemeinsam schaffen.

00:02:36: Aber auf Organisationen runtergebrochen,

00:02:39: wenn sie sich das nehmen wollen als Ziel:

00:02:41: Aktuelle Emissionen, davon 90 Prozent runter im Schnitt

00:02:46: und die restlichen zehn Prozent wirklich neutralisieren.

00:02:48: Vielleicht könntest du auch noch mal für unsere Zuhörer*innen runterbrechen,

00:02:52: wozu jetzt eigentlich Unternehmen in Österreich verpflichtet sind?

00:02:56: Ja, das würde ich gerne versuchen, ist ein bissl schwierig.

00:02:58: Also es gibt nicht das eine Gesetz rund um Nachhaltigkeit.

00:03:02: Also Nachhaltigkeit ist ja super breit.

00:03:04: Jetzt schaue ich schon einmal nur auf ökologische Aspekte

00:03:07: und da speziell auf Klimaschutz.

00:03:09: Die wichtigsten Regulatorien aus unserer Sicht kommen von der EU,

00:03:13: also aus dem Green Deal heraus.

00:03:16: Da gibt es eine Fülle von Maßnahmen und Regulatorien.

00:03:20: Die sind auch teilweise für bestimmte Branchen relevanter

00:03:23: als für andere wiederum.

00:03:24: Dementsprechend ist es schwierig,

00:03:26: da wirklich so eine vollständige Liste aufzuzählen.

00:03:29: Also die großen Organisationen, die direkt betroffen sind,

00:03:32: wissen es meistens sehr gut.

00:03:34: Ich glaube, die brauchen diese Liste in der Form wahrscheinlich gar nicht.

00:03:38: Welche sind darauf so die wichtigsten?

00:03:40: Also wo sagst du, okay, das und das und das,

00:03:42: das muss einfach sein?

00:03:43: Also ich glaube, ein großer Treiber, der funktioniert,

00:03:45: ist der EU-ETS-Emissionshandel,

00:03:48: also der verpflichtende Emissionshandel für große Organisationen

00:03:51: oder große Installationen.

00:03:53: Der treibt sicher etwas und hilft uns gesamthaft

00:03:57: in der EU die Emissionen zu reduzieren.

00:03:58: Das betrifft aber, wie gesagt, sehr große Organisationen

00:04:01: oder sehr intensive Branchen, die viele Emissionen haben.

00:04:05: Ansonsten gibt es noch ein paar Regulatorien,

00:04:08: die sicher für alle Organisationen

00:04:09: zumindest einmal relevant sind, die zu kennen.

00:04:12: Weil sie vielleicht nicht direkt betroffen sind,

00:04:14: aber zumindest indirekt.

00:04:15: Das eine ist die EU-Taxonomie.

00:04:18: Die grundsätzlich mal alle Wirtschaftsaktivitäten

00:04:20: in nachhaltige und nicht nachhaltige einordnet.

00:04:23: Und da wirklich Detailkriterien auf ganz vielen Seiten zusammenfasst,

00:04:28: wie diese nachhaltigen Wirtschaftsaktivitäten

00:04:31: genau ausgestaltet sein müssen, um da auch wirklich konform zu sein.

00:04:35: Das ist ein Instrument, das in erster Linie einmal

00:04:37: vor allem auch die Banken trifft, die darstellen müssen,

00:04:40: wie viel Finanzierung in nachhaltige Projekte geht.

00:04:45: Das ist für die Unternehmen deshalb relevant,

00:04:47: weil sie sich hier tatsächlich auch Geld sparen können.

00:04:49: Oder vielleicht überhaupt in ein paar Jahren

00:04:51: nur noch Geld bekommen,

00:04:53: wenn sie hier nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten haben.

00:04:56: Du bist ja auch der Meinung, dass jedes Unternehmen,

00:04:58: eigentlich nachhaltig handeln muss,

00:04:59: weil sonst ist es eigentlich dem Untergang geweiht.

00:05:02: Ja, ich frage mich natürlich schon, wie das anders gehen sollte.

00:05:05: Also ich würde da gerne alle KMUs auch vor allem davor schützen.

00:05:09: Weil wenn wir als Welt klimaneutral werden möchten,

00:05:12: als EU klimaneutral werden möchten -

00:05:13: und Österreich möchte das 2040 erreichen,

00:05:16: und wir erinnern uns an den Eingangssatz:

00:05:19: klimaneutral, minus 90 Prozent der Emissionen -

00:05:22: dann glaube ich, kann das nicht ganz funktionieren,

00:05:24: wenn die Organisationen so weitermachen wie bisher.

00:05:26: Jetzt gibt es ja den finanziellen Bericht für Unternehmen,

00:05:29: aber auch den Nachhaltigkeitsbericht.

00:05:31: Was ist das für ein Bericht und inwiefern hat der etwas verändert?

00:05:35: Es gibt ja den Nachhaltigkeitsbericht

00:05:38: für einige wenige große Organisationen schon einige Jahre.

00:05:42: Das, was die EU jetzt verändert hat mit der neuen CSRD ist,

00:05:47: dass sie hier verschärfte Regelungen, Standards erlässt,

00:05:50: wie das auszusehen hat.

00:05:51: Ganz kurz, CSRD ist der Corporate Sustainability Reporting,

00:05:55: also quasi dieser Nachhaltigkeitsbericht.

00:05:56: Ganz genau. Vielen Dank.

00:05:58: Die ganzen Abkürzungen, die überall herumschwirren,

00:06:00: ist immer schwierig.

00:06:01: Ja genau. Darum geht es.

00:06:02: Die sehr großen Organisationen, Konzerne, börsennotierte Organisationen,

00:06:06: die hier berichten müssen,

00:06:08: müssen jetzt wirklich allumfassend Nachhaltigkeitsbestrebungen darlegen.

00:06:12: Und das Schöne daran ist,

00:06:13: dass sie hier wirklich Zahlen, Daten, Fakten darlegen müssen.

00:06:16: Also da geht es nicht um qualitativ schöne Geschichten,

00:06:19: sondern da geht es wirklich um harte KPIs, auch die darzustellen.

00:06:22: Und das betrifft… Omnibus haben vielleicht schon einige gehört.

00:06:27: Also es war der Plan, da viel mehr Organisationen

00:06:30: unter die Berichtspflicht zu nehmen und da reinzuholen.

00:06:33: Jetzt gibt es wieder die Gegenbewegung, da mehr Organisationen auszunehmen.

00:06:38: Das ist noch im Entwurfsstadium.

00:06:39: Also ehrlicherweise weiß man noch gar nicht so richtig,

00:06:42: wo landet es dann am Ende.

00:06:43: Auch das Lieferkettengesetz betrifft das zum Beispiel, die CSDDD.

00:06:47: Was würde das aber bedeuten,

00:06:48: wenn eben die Omnibus-Verordnung entschärft wird,

00:06:51: so wie es jetzt ausschaut?

00:06:52: Wenn sie entschärft wird, sind jetzt nur mehr

00:06:56: nach dem vorliegenden Entwurf große Organisationen

00:06:58: mit über 1000 Mitarbeiter*innen davon umfasst.

00:07:02: Der ursprüngliche Plan hat vorgesehen ab 250 Mitarbeiter*innen

00:07:06: und noch Kriterien zu Bilanzsumme und Umsatz.

00:07:08: Also das wären wirklich deutlich mehr Organisationen gewesen.

00:07:11: Jetzt mit der Grenze von 1000 Mitarbeiter*innen mindestens,

00:07:15: purzeln da wieder ganz viele raus.

00:07:18: Das Wichtige aber, glaube ich, für die KMUs zu wissen ist,

00:07:21: dass die Logik dieser Berichtspflicht ist,

00:07:24: dass die Organisationen die berichtspflichtig sind,

00:07:26: ihre gesamte Wertschöpfungskette transparent darstellen müssen.

00:07:30: Das heißt nicht nur das, was direkt im Betrieb passiert,

00:07:32: sondern auch alles, was ich einkaufe, alles, was davor passiert

00:07:35: und alles, was danach passiert mit meinen Produkten und Dienstleistungen.

00:07:39: Und damit sind auch die Kleinen,

00:07:41: die in diesen Lieferketten der Großen drinstecken,

00:07:44: indirekt betroffen.

00:07:45: Also die müssen dann nicht einen vollumfänglichen Bericht legen,

00:07:49: aber sie werden nach Zahlen gefragt.

00:07:51: Das Schöne aus einer Klimaschutzperspektive ist,

00:07:53: dass es da oft beginnt,

00:07:55: weil Treibhausgasemissionen im Verhältnis leicht zu berechnen sind.

00:07:59: Biodiversität ist schon wieder ein ganz anderes Thema.

00:08:01: Und da fragen Unternehmen jetzt einfach an.

00:08:04: Und einer unserer ersten Kunden vor Jahren ist zu uns gekommen,

00:08:08: genau mit der Frage:

00:08:10: Wir arbeiten für einen österreichischen börsennotierten Konzern.

00:08:14: Die haben damals schon begonnen Daten zu erheben, noch vor der CSRD.

00:08:17: Und die wollten wissen,

00:08:19: was so ein Werbedrehtag an CO2-Emissionen mitbringt.

00:08:23: Weil sie das für einen Bericht verwenden wollten.

00:08:26: Und?

00:08:27: Ich habe es dann nicht herausgefunden wie viel.

00:08:30: Aber sehr viel wahrscheinlich.

00:08:31: Aber sehr viel, ja genau.

00:08:32: Weil, wir haben mit ihnen gearbeitet noch eigentlich vor den Emissionen.

00:08:37: Was heißt es überhaupt? Was ist das Ziel dahinter?

00:08:39: Warum müssen sie das berichten? Und wo soll es hingehen?

00:08:42: Also wir haben dann den nächsten Schritt erst begleitet:

00:08:45: Wie rechnen sie es?

00:08:46: Und das haben sie dann auch intern wirklich sehr gut selbst aufgesetzt.

00:08:49: Ich glaube das können auch die meisten wirklich selbst.

00:08:51: Dieses Verständnis davor aber... das fehlt ganz oft.

00:08:54: Jetzt hast du eben schon gesagt,

00:08:56: dass ihr ganz oft mit der Klimaschutzakademie

00:08:58: eben mit Unternehmen arbeitet, um eben die klimaneutral zu machen.

00:09:02: Sind das jetzt Unternehmen, die dazu gezwungen werden?

00:09:05: Oder kommt es auch immer öfter vor, dass Unternehmen auf euch zugehen,

00:09:09: weil sie eben sagen: Hey, wir möchten uns verbessern?

00:09:11: Also zweiteres ist viel häufiger in unserem Fall.

00:09:14: Was uns natürlich sehr freut.

00:09:16: Es macht auch viel mehr Spaß, mit Organisationen daran zu arbeiten,

00:09:19: die die Chancen sehen, die Innovationen voranbringen wollen.

00:09:24: Also wir arbeiten ganz viel mit Organisationen,

00:09:26: die auch wirklich da was bewegen möchten,

00:09:28: denen Nachhaltigkeit wirklich wichtig ist,

00:09:30: die das oft schon im Kern drin haben,

00:09:32: die wirklich ein Ziel haben: Wir werden klimaneutral.

00:09:35: Natürlich kommen auch Organisationen, die sagen, sie müssen.

00:09:40: Wir sehen jetzt aber mit dieser ganzen Regulatorik,

00:09:43: und Omnibus und doch nicht,

00:09:45: die, die nur aus diesem Antrieb heraus „Wir müssen“

00:09:48: vielleicht begonnen haben, nachzudenken,

00:09:50: haben auch in der Sekunde gefühlt den Bleistift wieder fallengelassen

00:09:52: und sofort wieder aufgehört, sich mit Nachhaltigkeit zu beschäftigen.

00:09:56: Und das finde ich sehr schade, weil die den ganzen Wettbewerbsvorteil,

00:10:00: den sie irgendwie noch hätten, wenn sie sich jetzt damit beschäftigen,

00:10:03: wieder liegen lassen.

00:10:05: Weil du sagst Wettbewerbsvorteil.

00:10:07: Wir haben es vorhin schon angesprochen: Warum ist es so wichtig,

00:10:10: jetzt abseits davon, dass Klimaschutz super wichtig ist für unsere Welt,

00:10:13: warum ist es wirtschaftlich gesehen auch so wichtig?

00:10:16: Unabhängig davon, dass der Markt sich jetzt dreht…

00:10:19: die Welt, die EU will klimaneutral werden,

00:10:23: in Österreich bis 2040.

00:10:24: Da gibt es große Städte,

00:10:26: die sich vorgenommen haben, klimaneutral zu werden bis 2030 sogar.

00:10:29: Wien hat ein großes Programm, bis 2040 klimaneutral zu werden.

00:10:33: Und was jetzt schon passiert, ist in öffentlichen Ausschreibungen,

00:10:37: dass zum Beispiel Nachhaltigkeitskriterien verlangt werden.

00:10:39: Das hat noch nicht unbedingt was mit irgendwelchen Gesetzen zu tun,

00:10:43: die von EU-Seite kommen.

00:10:44: Das ist einfach Fakt, was gerade im Markt passiert.

00:10:46: Das heißt, wenn ich mich als Organisation nicht damit beschäftige

00:10:49: und hier keine Kennzahlen habe,

00:10:51: dann werde ich einfach zukünftig bei diesen Ausschreibungen

00:10:53: nicht einmal mehr mitmachen können.

00:10:55: Also das wäre so ein ganz leichter Zugang,

00:10:58: wo ich sage, bitte beschäftigt euch damit,

00:11:00: weil sonst entgeht euch tatsächlich Business potenziell,

00:11:03: weil ihr nicht einmal mehr mitmachen könnt

00:11:05: bei diesen Ausschreibungen.

00:11:06: Dann selbes Thema bei Förderungen.

00:11:08: Wenn ich als Organisation mir eine Förderung

00:11:11: für verschiedene Themen abholen möchte, dann sind diese Förderstellen dabei,

00:11:15: manche schon sehr weit vorne, manche gerade dabei, das aufzusetzen,

00:11:19: dass sie auch hier Nachhaltigkeitskriterien abfragen.

00:11:22: Unabhängig davon, wofür ich meine Förderung bekomme,

00:11:25: muss ich so ein Minimumset an Nachhaltigkeitskriterien mitliefern

00:11:29: und sagen, wo zahlt meine Organisation im Thema Nachhaltigkeit ein,

00:11:32: wo leistet sie einen positiven Beitrag.

00:11:34: Das zu ignorieren völlig,

00:11:36: ich kann mir nicht vorstellen, wie das gehen soll.

00:11:40: Unabhängig davon, dass sich natürlich die Umwelt da draußen einfach ändert

00:11:43: und wir mit einem Naturgesetz halt nicht verhandeln können.

00:11:46: Aber du stoßt auch immer wieder auf Unternehmen, die das ignorieren

00:11:49: Jaja, natürlich. Die gibt es tatsächlich.

00:11:52: Also es gibt weniger Organisationen würde ich sagen,

00:11:56: die es komplett leugnen.

00:11:58: Also so, wie vor ein paar Jahren noch, „Klimawandel gibt es nicht“,

00:12:02: begegnet einem tatsächlich wirklich nicht mehr so häufig.

00:12:05: Aber so ein wirkliches Verständnis, warum sollte ich das machen

00:12:09: und wieso ist es eigentlich wichtig,

00:12:11: ist tatsächlich bei vielen noch nicht angekommen, leider.

00:12:15: Vielleicht hört uns jemand gerade zu,

00:12:16: der ein Klein- und Mittelunternehmen führt

00:12:19: oder in einem arbeitet und da eben was ändern möchte,

00:12:22: weil einem einfach das Thema am Herzen liegt.

00:12:24: Hast du da vielleicht einen Tipp, wie man das Ganze angehen kann?

00:12:27: Oder irgend so eine grobe Sache, wo man sagt,

00:12:29: hey, da seid ihr schon mal auf einem richtigen Weg.

00:12:32: Jetzt muss ich natürlich in diesem Podcast hier sagen,

00:12:34: wovon ich auch überzeugt bin, auf oekostrom umstellen,

00:12:37: weil erneuerbare Energien ist einer der einfachsten Hebel,

00:12:41: den Organisationen haben,

00:12:42: um sofort ihre Treibhausgasbilanz einmal runterzubringen,

00:12:45: vor allem, wenn es jetzt um ein KMU geht.

00:12:48: Also es gibt so ein paar einfache Hausübungen sozusagen,

00:12:51: die man mal tun kann als Organisation.

00:12:54: Im Kern ist es aber schon ein Thema.

00:12:56: Also wenn ich glaube umgekehrt, ich kann mir eine Checkliste hernehmen

00:13:00: und dann mache ich Schritt 1, 2, 3

00:13:01: und dann kann ich Nachhaltigkeit wieder auf die Seite legen,

00:13:04: dann ist die Antwort leider nein.

00:13:06: Also ich glaube, man muss schon Nachhaltigkeit verstehen.

00:13:09: Was nicht wahnsinnig schwierig ist.

00:13:11: Man muss wahrscheinlich Klimaschutz verstehen

00:13:13: und ökologische Nachhaltigkeit.

00:13:15: Dann kann man es auch relativ rasch umsetzen.

00:13:18: Aber im Kern führt kein Weg daran vorbei,

00:13:21: dass ich mir mein Geschäftsmodell und meine Produkte anschaue.

00:13:25: Weil, so wie unsere Welt aktuell aufgestellt ist

00:13:28: und alle Produkte und Dienstleistungen, ist es halt nicht nachhaltig,

00:13:31: sonst wären wir nicht da, wo wir sind.

00:13:33: Das heißt, nur so aus dem Regal zwei Dinge rausnehmen, umsetzen

00:13:38: und dann habe ich Nachhaltigkeit erledigt,

00:13:40: ist es leider nicht.

00:13:41: Switchen wir vielleicht mal kurz die Sichtweise.

00:13:44: Wir haben jetzt von den ganzen Unternehmen gesprochen.

00:13:46: Gehen wir mal in die Konsument*innen-Sicht.

00:13:48: Ich habe es in der Anmoderation eben schon gesagt,

00:13:50: ich glaub, ist jedem schon mal passiert, dass man denkt, ah, super,

00:13:53: das ist nachhaltig, deswegen kauf ich es.

00:13:54: Und im Nachhinein kommt man drauf, eigentlich totaler Schwachsinn

00:13:57: und die haben sich einfach nur eben mit dem geschmückt.

00:13:59: Es ist jetzt schon eigentlich ein Marketing-Ding geworden,

00:14:02: dass man eben nachhaltig ist.

00:14:04: Hast du vielleicht irgendwelche Tipps, wie man das eben durchschauen kann?

00:14:08: So, hey, das kann nicht sein.

00:14:11: Also es ist wahnsinnig schwierig.

00:14:13: Ich selbst stehe oft vor den Regalen,

00:14:15: weil man muss gewisse Dinge einfach kaufen,

00:14:17: und denke mir dann: Was ist das jetzt und wie nachhaltig ist das?

00:14:22: Also was auf jeden Fall ein Tipp ist,

00:14:24: ist klimaneutral, CO2-neutral, sogar klimapositiv -

00:14:28: das kann alles grundsätzlich einmal nicht stimmen.

00:14:32: Also wenn ich sag, klimaneutral heißt 90 Prozent der Emissionen runter

00:14:36: in der gesamten Wertschöpfungskette und den Rest ausgleichen,

00:14:40: das gibt es aktuell nicht bei den Organisationen oder Produkten.

00:14:44: Das heißt, da würde ich schon sagen, Achtung Achtung, wenn sowas oben pickt,

00:14:47: ist es für mich aktuell ein großer Marketing-Claim.

00:14:50: Es gibt ein paar gute Umweltsiegel tatsächlich.

00:14:53: Es gibt leider hunderte Siegel,

00:14:56: die ganz viele davon auch selbst gestrickt sind,

00:14:59: was es wahnsinnig schwierig macht für Konsumentinnen und Konsumenten.

00:15:03: Aber wie kann das sein? Also woran scheitert es da, bitte?

00:15:06: Ja, es gab bis jetzt auch keine Regulatorik,

00:15:08: die das verboten hätte, einen Marketing-Claim zu machen.

00:15:12: Und dann macht man halt schöne Darstellungen,

00:15:14: die Siegel-ähnlich aussehen.

00:15:16: Wo zwar vielleicht nicht oben steht, Siegel,

00:15:19: aber die vom ersten Hinschauen her so den Eindruck erwecken,

00:15:22: ah, das schaut aus wie ein Siegel, nicht?

00:15:24: Das kann man sich vorstellen, wie das ausschaut.

00:15:26: Das muss doch gut sein.

00:15:27: Es ist ja nicht verboten gewesen, dann sowas zu machen.

00:15:30: Wobei man das vielleicht ein bisschen relativieren muss,

00:15:33: können wir da noch eingehen auf das UWG ein bisschen.

00:15:35: Aber da ist halt viel passiert.

00:15:36: Und es gibt ein paar wenige Siegel, also Umweltbundesamt zum Beispiel,

00:15:40: das deutsche Umweltbundesamt auch.

00:15:41: Und beim österreichischen wahrscheinlich auch.

00:15:43: Aber auch NGOs listen wirklich gute Umweltgütesiegel auf.

00:15:49: Ich würde mich an die halten.

00:15:51: Wenn ich nach dem gehen möchte, würde ich mal dort reinschauen

00:15:54: und sagen, was listen die,

00:15:55: was ist ein gutes, qualitativ wirklich wertvolles Gütesiegel?

00:15:59: Nach dem würde ich gehen.

00:16:01: Und der dritte Punkt ist Transparenz.

00:16:05: Also je transparenter die Organisationen sind,

00:16:07: desto glaubwürdiger sind sie natürlich.

00:16:09: Das heißt, wenn da ein QR-Code oben ist,

00:16:12: ich komme auf die Website, da stehen ganz viele weitere Informationen.

00:16:15: Nämlich wirklich nicht nur blabla,

00:16:17: sondern mit KPIs, mit Zahlen, Daten, Fakten.

00:16:19: Dann kann man wahrscheinlich davon ausgehen,

00:16:21: dass es zumindest einmal besser ist

00:16:22: und der Schritt in die richtige Richtung.

00:16:24: Jetzt sind wir ja schon voll drin im Thema Greenwashing.

00:16:27: Vielleicht kannst du nochmal unseren Zuschauer*innen

00:16:29: und Hörer*innen erläutern was überhaupt Greenwashing bedeutet.

00:16:33: Die eine Frage ist wahrscheinlich,

00:16:35: ab wann ist es juristisch gesehen Greenwashing?

00:16:37: Also wann vielleicht verletzt es ein Gesetz tatsächlich?

00:16:41: Und wann würden wir vielleicht sagen, es ist Greenwashing?

00:16:43: Also da gibt es, glaube ich, 50 Shades of Green irgendwo dazwischen.

00:16:47: Juristisch gesehen, es gibt einmal grundsätzlich das UWG.

00:16:51: Das ist das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb.

00:16:53: Das ist, glaube ich, über 100 Jahre alt als Gesetz.

00:16:56: Das heißt nichts Neues.

00:16:57: Und das besagt, dass Unternehmen mit den Claims,

00:17:02: mit denen sie dann nach außen gehen, nicht in die Irre führen dürfen.

00:17:07: Das heißt Greenwashing in der Form, ich führe in die Irre, heißt,

00:17:10: ich suggeriere den Konsumentinnen und Konsumenten,

00:17:16: dass etwas besser ist für die Umwelt, dass es ressourcenschonender ist

00:17:20: und de facto aber nicht ist.

00:17:22: Oder viel weniger ist, als es den Anschein erweckt.

00:17:26: Dann ist das auch jetzt schon nicht erlaubt.

00:17:30: Was das aber genau ist oder nicht,

00:17:33: entscheidet dann die Richterin oder der Richter.

00:17:35: Das heißt deshalb kann man da jetzt nicht immer genau sagen,

00:17:38: das ist 100% juristisch gesehen Greenwashing.

00:17:40: Oder sagen wir so, ich kann es nicht, ich bin auch keine Juristin.

00:17:43: Vielleicht können es andere.

00:17:45: Und dem versucht aber eben die EU

00:17:48: jetzt auch weiter einen Riegel vorzuschieben,

00:17:49: indem sie da zusätzliche Regelungen erlässt,

00:17:52: damit das konkretisiert wird, was Greenwashing da bedeutet.

00:17:55: Was auch sehr sehr wichtig ist. - Ja.

00:17:57: Damit sich etwas ändert.

00:17:58: Was sind denn so die typischen Missverständnisse,

00:18:00: die Unternehmen in der Kommunikation über ihre Nachhaltigkeit machen?

00:18:03: Ich glaube ein Missverständnis ist, so Wörter und Begriffe verwenden,

00:18:08: die sie selbst nicht gut genug verstehen.

00:18:10: Wie zum Beispiel?

00:18:11: CO2-neutral, klimaneutral, klimapositiv.

00:18:14: Das sind Begriffe, die in der Vergangenheit verwendet wurden,

00:18:18: in gutem Glauben auch von vielen Organisationen,

00:18:21: die über irgendwelche Projekte, wo sie weiß nicht was kompensiert haben,

00:18:26: da auch Geld in die Hand genommen haben,

00:18:28: und dachten, sie tun etwas sehr Gutes damit.

00:18:30: Also es ist nicht immer bösartiges Greenwashing.

00:18:32: Aber der Begriff einfach seit jeher auch falsch verwendet wurde

00:18:36: und damit in die Irre geführt wurde.

00:18:38: Das ist so ziemlich das Häufigste.

00:18:40: Und dann sind aber noch eine Reihe von anderen Dingen.

00:18:42: Und das ist jetzt so ein bisschen dieses: Was ist es?

00:18:44: Ist es jetzt juristisch gesehen schon Greenwashing oder nicht?

00:18:47: Der VKI, der Verein für Konsumenteninformation,

00:18:50: listet da auch ganz schön Kriterien auf.

00:18:53: Der checkt das auch regelmäßig.

00:18:54: Da gibt es den Greenwashing-Check vom VKI.

00:18:56: Da kann man sich auch Beispiele anschauen.

00:18:58: Vage Informationen, also sehr schwammig formuliert.

00:19:01: Keine Zahlen, Daten, Fakten dahinter mitgeliefert.

00:19:04: Tatsächliche Lügen - wird weniger, aber gab es auch.

00:19:07: Tatsächlich falsche Behauptungen aufstellen nach außen.

00:19:10: Dieser Gütesiegel-Dschungel

00:19:12: ist eben eines der häufigsten Greenwashing-Thematiken.

00:19:14: Ich erwecke den Anschein, dass etwas ganz toll ist,

00:19:17: was es nicht ist.

00:19:18: Kannst du uns da vielleicht konkrete Beispiele auch geben?

00:19:21: Bei Unternehmen in der Vergangenheit, die das eben falsch gemacht haben?

00:19:24: Es gibt ja zwei sehr bekannte Urteile in Österreich

00:19:27: mit einer Fluglinie und einer Brauerei.

00:19:30: Das kann man sich gerne anschauen, auch beim VKI,

00:19:33: weil der das angestrengt hat.

00:19:35: Die wirklich falsch geworben haben, tatsächlich.

00:19:38: Also wurde ja dann auch festgestellt.

00:19:40: Und beide mit diesem Begriff CO2-neutral.

00:19:43: Also deshalb ist dieser Begriff, das ist so schwierig.

00:19:46: Und sie wurden beide verurteilt,

00:19:47: weil sie beide CO2-neutral in dem Claim verwendet haben.

00:19:50: Also wir sind oder beziehungsweise das Produkt ist CO2-neutral.

00:19:54: Und das stimmt faktisch einfach nicht.

00:19:56: Kannst du uns vielleicht nochmal kurz erklären,

00:19:58: was CO2-neutral bedeutet?

00:20:01: Wenn das ganze Produkt CO2-neutral wäre,

00:20:04: müsste die ganze Lieferkette, also beim Produkt jetzt,

00:20:07: ich hole mir den Rohstoff,

00:20:09: bis ganz am Ende, es wird nicht mehr verwendet,

00:20:11: es ist ein Abfallprodukt oder so,

00:20:14: plus das, was die Organisation aber zusätzlich auch noch

00:20:17: vielleicht an Emissionen hat,

00:20:19: in dem Fall jetzt nur CO2-Emissionen, Treibhausgase ist mehr,

00:20:22: aber in dem Fall CO2,

00:20:23: das dürfte quasi keine Emissionen mehr ausstoßen

00:20:28: und die paar Restemissionen, die noch da sind, eben neutralisieren.

00:20:32: Aber dieser Schritt von,

00:20:34: ich reduziere die Treibhausgasemissionen,

00:20:38: das passiert aktuell nicht.

00:20:39: Also es wird oft so ein Vergleich dann:

00:20:41: Mein Produkt hat ein bisschen weniger CO2-Ausstoß als das andere.

00:20:47: Es ist trotzdem nicht gut für die Umwelt.

00:20:49: Es stößt trotzdem CO2 aus. Das kann man nicht schönreden.

00:20:52: Ich habe mir das auch oft gedacht beim Buchen dann.

00:20:54: Das ist irgendwie total hirnrissig

00:20:56: und das geht sich auch gar nicht aus, dass das dann CO2-neutral ist.

00:20:59: Aber irgendwie denkt man sich halt dann trotzdem,

00:21:01: naja, man will was Gutes tun, klickt man es einfach an.

00:21:04: Genau. Und ich versteh das auch aus einer Konsument*innen-Sicht,

00:21:06: wenn man sich damit nicht beschäftigt.

00:21:08: Es gibt ein paar so Dinge, wo man einfach weiß,

00:21:11: die sind halt schlechter fürs Klima oder für die Umwelt,

00:21:14: ökologisch gesehen.

00:21:15: Das ist Fliegen, also im Bereich Mobilität einfach so.

00:21:19: Das ist beim Essen,

00:21:20: Fleisch essen ist einfach grundsätzlich einmal schlechter

00:21:23: als pflanzenbasierte Ernährung.

00:21:25: Heißt jetzt nicht, dass jeder 100% vegan essen muss,

00:21:27: aber es gibt einfach ein paar so Dinge, wo man weiß einfach,

00:21:30: grundsätzlich ist es schlechter.

00:21:31: Deshalb ist es halt noch einmal schwieriger,

00:21:33: wenn ich dann auf einem Wurstpackerl das Pickerl CO2-neutral oben habe.

00:21:37: Das kann sich nicht ausgehen. Wie soll das sein?

00:21:42: Das ist noch in Plastik verpackt, in einem Kühlregal in dem Supermarkt.

00:21:46: Also das sind so viele Elemente,

00:21:48: da frage ich mich immer, das kann ja gar nicht gehen.

00:21:51: Ja, total.

00:21:53: Jetzt haben wir eben schon viel über Greenwashing gesprochen.

00:21:55: Ein weiterer wichtiger Begriff ist dabei Green Claims Directive.

00:21:59: Möchtest du uns vielleicht mal kurz erläutern,

00:22:01: was dieser Begriff bedeutet?

00:22:02: Also die Green Claims Directive ist eine Regelung der EU,

00:22:05: die geplant ist aktuell.

00:22:08: Wir wissen noch nicht genau, wann sie kommen wird.

00:22:11: Also die gibt es im Entwurf, die Trilogverhandlungen laufen.

00:22:15: Die soll eigentlich eine Richtlinie, die es schon gibt, spezifizieren.

00:22:21: Die EU hat letztes Jahr die ECGT oder EMCO,

00:22:26: das sind diese schönen Abkürzungen,

00:22:27: das ist die Empowering Consumers for the Green Transition-Richtlinie,

00:22:33: die hat sie umgesetzt,

00:22:34: also die wurde vor einem Jahr verabschiedet.

00:22:36: Die muss in nationales Gesetz überführt werden.

00:22:39: Also kann ich noch nicht genau sagen, wann das in Österreich passiert.

00:22:42: In der Theorie hat Österreich ein knappes Jahr Zeit.

00:22:45: Praktisch werden wir sehen, ob sie das schaffen,

00:22:47: das rechtzeitig umzusetzen.

00:22:49: Aber das ist so der erste Schritt der EU, das UWG,

00:22:54: das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb,

00:22:55: also diese Irreführung eben aufzugreifen

00:22:58: und da Konsumentinnen und Konsumenten besser zu schützen,

00:23:01: damit sie eben bessere Kaufentscheidungen treffen können.

00:23:03: Das ist so die Idee dahinter.

00:23:05: Runtergebrochen kann man sagen, es sind Spielregeln für Unternehmen

00:23:08: und Greenwashing soll vielleicht ein bisschen unattraktiver werden, oder?

00:23:12: Dass es halt weniger ausgeführt wird.

00:23:14: Ja, Greenwashing soll ganz sicher unattraktiver werden, richtig.

00:23:17: Da sind auch höhere Strafen geplant für Unternehmen,

00:23:20: die dann trotzdem Greenwashing betreiben.

00:23:22: Und die Green Claims Directive geht dann noch einen Schritt weiter,

00:23:24: oder das ist der Plan,

00:23:26: weil wir wissen es ja noch nicht, wie sie genau umgesetzt wird,

00:23:29: dass sie diese ECGT,

00:23:32: also diese Empowering Consumers for the Green Transition-Richtlinie,

00:23:35: noch einmal mehr unterstützt.

00:23:37: Also mir sagen Juristinnen immer, das ist wie die Schwestern-Direktiven

00:23:40: so ein bisschen.

00:23:41: Indem sie konkreter vorgibt, wie Unternehmen ihre Umweltaussagen

00:23:47: mit Zahlen, Daten, Fakten

00:23:48: und wissenschaftlich basiert hinterlegen müssen.

00:23:51: Also das konkretisiert das nochmal

00:23:54: und soll auch die Vorgaben für die ganzen Gütesiegel

00:23:58: nochmal konkretisieren.

00:24:00: Wie muss der Prozess da genau ausschauen?

00:24:02: Wann ist es wirklich ein validiertes, akzeptiertes Gütesiegel?

00:24:06: Da, wo sich jetzt die Geister ein bisschen scheiden

00:24:08: oder wo die Meinungen ein bisschen auseinander gehen,

00:24:10: ein Kernelement im Entwurf der Green Claims Directive ist,

00:24:13: dass Organisationen bevor sie mit dem Green Claim nach außen gehen,

00:24:17: also den außen irgendwie kommunizieren,

00:24:19: den durch eine unabhängige Prüfstelle sich abnehmen lassen müssen.

00:24:24: Also sie müssen das vorab, dieses Produkt,

00:24:27: bleiben wir bei dem Wurstpackerl,

00:24:29: ich muss mir das irgendwie zertifizieren lassen.

00:24:31: Ich nehm an, es wird niemand probieren, weil es wird nicht funktionieren.

00:24:34: Aber ich nehme dieses Wurstpackerl,

00:24:35: mache da so eine Life-Cycle-Analysis, also von Anfang bis zum Ende durch.

00:24:40: Was stecken da für Emissionen dahinter, was stecken da sonst für KPIs dahinter.

00:24:44: Berechne das Ganze akkurat.

00:24:46: Lasse mir das durch eine unabhängige Prüfstelle dann noch belegen,

00:24:49: dass das jetzt besser ist, weil -

00:24:52: fällt mir ein bisschen schwer bei Wurst, aber okay -

00:24:54: ist jetzt besser als.

00:24:56: Und dann erst darf ich mit einem Claim nach außen gehen

00:24:59: und sagen, das ist jetzt, weiß ich nicht,

00:25:01: hat weniger Wasserverbrauch oder was auch immer dann dahintersteckt.

00:25:04: Ist mit weniger Energieaufwand hergestellt worden.

00:25:07: Generell beim Klimaschutz,

00:25:08: man hat irgendwie das Gefühl, es ist ständig Thema

00:25:10: und die Leute wollen, dass sich was verändert,

00:25:12: aber gefühlt tut sich halt nichts oder halt zu langsam.

00:25:16: Was würdest du dir als Privatperson,

00:25:18: aber auch als Leiterin der Klimaschutzakademie

00:25:21: wünschen für die Zukunft?

00:25:23: Ich würde mir wünschen, dass die EU-Regulatorik,

00:25:26: so wie sie geplant war, kommt, weil der Kern wahnsinnig genial ist.

00:25:32: Weil alle Regulatorien - wir haben die CSRD angesprochen,

00:25:34: die Green Claims Directive, EU-Taxonomie haben wir angesprochen,

00:25:37: es sind noch ein paar andere - die gehen im Kern auf Transparenz.

00:25:41: Und je transparenter wir sind in dem ganzen Thema,

00:25:44: mit Zahlen, Daten, Fakten,

00:25:45: desto bessere Entscheidungen können getroffen werden,

00:25:48: sowohl von Verbraucher*innen, aber auch von den Unternehmen.

00:25:51: Und Transparenz ist auch ein Element in den sozialen Kipppunkten,

00:25:55: wie können wir die grüne Transformation wirklich schneller erreichen.

00:25:58: Also das würde ich mir am meisten wünschen.

00:26:01: Megaspannendes Thema.

00:26:02: Gefühlt könnten wir noch stundenlang weiterreden.

00:26:04: Wir sind aber jetzt schon am Schluss angekommen.

00:26:06: Und für den Schluss haben wir jetzt noch was Besonderes vorbereitet,

00:26:09: und zwar den oekostrom AG Kurzschluss.

00:26:11: Das heißt, du bekommst jetzt fünf kurze Fragen

00:26:14: und du beantwortest sie einfach spontan aus dem Bauch heraus.

00:26:16: Okay.

00:26:17: Gut, wir beginnen mit der allerersten Frage:

00:26:20: Papierkalender oder App? - Weder noch.

00:26:24: Was sonst? - Das Gehirn.

00:26:29: Du bist Mama, oder? Wie schaffst du das?

00:26:31: Nein tatsächlich, persönlich App.

00:26:33: Ja. Kaffee oder Spaziergang? - Kaffee.

00:26:37: Bauchgefühl oder Excel-Tabelle? - Excel-Tabelle.

00:26:40: Zukunftsoptimistin oder Zukunftszweiflerin?

00:26:44: Optimistin.

00:26:45: Super. Und leise denken oder laut diskutieren?

00:26:49: Beides. - Weil?

00:26:51: Weil es manchmal das eine braucht und manchmal das andere.

00:26:54: Sehr schön.

00:26:55: Liebe Marion, vielen lieben Dank, dass du heute bei Geladen warst.

00:26:58: Es hat irrsinnig viel Spaß gemacht, mit dir darüber zu sprechen.

00:27:01: Und an euch danke natürlich fürs Dabeisein und fürs Zuhören.

00:27:04: Und falls euch die Folge gefallen hat,

00:27:06: dann freuen wir uns über ein Like oder über ein Abo.

00:27:09: Und natürlich, schickt es weiter

00:27:10: an Menschen, die das auch hören sollten.

00:27:12: Bis dahin noch einen schönen Tag und bis zur nächsten Folge.

00:27:15: Tschüss.

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