#83 Larissa Kravitz: Wie geht das mit dem schnellen Geld?

Shownotes

Wie geht das mit dem schnellen Geld?

Larissa Kravitz, Finanzexpertin, Autorin und Gründerin von Investorella, räumt in dieser Folge von geladen mit den größten Finanz-Mythen auf.

Auf Social Media wimmelt es nur so von Versprechungen über den schnellen Reichtum über Nacht. Larissa stellt klar: „Schnelles Geld dauert meistens 20 Jahre.“ Denn nachhaltiger Vermögensaufbau entsteht nicht durch emotionale Börsenwetten oder dubiose Geheimtipps, sondern durch fundiertes Wissen, breit gestreute Investments und vor allem Geduld.

Gemeinsam mit Laura Ertl spricht sie über die Rolle von Finfluencern, die größten Irrtümer beim Investieren, den Gender Pension Gap und die Frage, warum Finanzbildung heute wichtiger ist denn je.

Eine Folge für alle, die ihr Geld langfristig für sich arbeiten lassen wollen – ohne falsche Versprechen und ohne unnötige Risiken.

👉 Jetzt reinhören.

Transkript anzeigen

00:00:07: Geld ist allgegenwärtig und trotzdem für viele ein Thema,

00:00:10: über das kaum offen gesprochen wird.

00:00:13: Wir sollen vorsorgen, investieren und Verantwortung übernehmen.

00:00:17: Gleichzeitig erleben viele Menschen Geldanlage als kompliziert,

00:00:21: riskant oder schlicht nicht für sie gemacht.

00:00:24: Wer heute beginnt, sich mit investieren zu beschäftigen,

00:00:27: trifft schnell auf sehr widersprüchliche Botschaften.

00:00:30: Von langfristigem Vermögensaufbau bis zu schnellen Versprechen auf Social Media,

00:00:36: von nüchterner Vorsorge bis zu ideologischen Erzählungen über Leistung,

00:00:40: Disziplin und Erfolg.

00:00:42: Besonders sichtbar wird dabei,

00:00:44: wie ungleich der Zugang zu Geld und Finanzwissen ist.

00:00:48: Wie also nähern wir uns dem Thema investieren,

00:00:50: realistisch, informiert und ohne Angst?

00:00:54: Darüber sprechen wir heute mit Finanzexpertin, Podcasterin

00:00:58: und Gründerin von Investorella Larissa Kravitz.

00:01:01: Mein Name ist Larissa Kravitz.

00:01:03: Man kennt mich in den sozialen Medien auch als Investorella.

00:01:06: Und ich habe jetzt über 20 Jahre lang in der Finanzbranche gearbeitet.

00:01:10: Hatte dann 2018 die Idee, Finanzbildungs- workshops für Frauen zu machen,

00:01:14: weil ich einfach gesehen hab, dass Frauen beim Finanzwissen

00:01:18: aber auch in der Finanzbranche stark unterrepräsentiert sind.

00:01:21: Und seitdem gebe ich Workshops für Unternehmen, für Vereine,

00:01:25: für politische Parteien und hab auch eine Online-Weiterbildungsplattform,

00:01:30: bei der Frauen, besonders Frauen, aber auch Männer

00:01:33: wissenschaftlich fundierte Finanzkurse belegen können.

00:01:36: Wie du sagst, du kommst aus der klassischen Finanzkarriere

00:01:39: und hast dich dann bewusst in Richtung Finanzbildung entwickelt,

00:01:43: vor allem für Frauen.

00:01:44: Mich wird interessieren, wie bist du selbst zu dem Thema investieren gekommen

00:01:49: und was hat dich bewogen, diesen Weg einzuschlagen?

00:01:52: Vielleicht noch kurz vorweg.

00:01:53: Ich habe mich nie bewusst für den Weg der Finanzbildung entschieden.

00:01:56: Das ist eigentlich durch Zufall entstanden.

00:01:59: Das habe ich in meinem Buch im ersten Kapitel auch geschrieben,

00:02:01: diese Entstehungsgeschichte.

00:02:03: Ich bin im Büro gesessen und mir war ein bisschen langweilig und ich habe gedacht,

00:02:08: okay, es ist so schade, dass sich so wenige Frauen für das Thema interessieren.

00:02:11: Und hab dann in der Facebook-Gruppe eines Vereins,

00:02:14: bei dem ich damals auch sehr aktiv war,

00:02:16: die Idee gepostet: Hätte jemand Interesse an einem Investment Workshop.

00:02:20: Und ich bin davon ausgegangen, dass sich vielleicht fünf, sechs Leute melden.

00:02:23: Die lade ich zu mir ein, am Sofa, an einem Sonntag,

00:02:25: und mache ein Investment Workshop.

00:02:27: Aber am selben Tag haben unter diesem Post 131 Frauen kommentiert,

00:02:32: dass sie gerne an so einem Workshop teilnehmen würden.

00:02:34: Und da habe ich eigentlich erst gesehen, wie stark die Nachfrage danach ist.

00:02:39: Und gleichzeitig war das eine Zeit, weil du es vorher schon angesprochen hast,

00:02:42: widersprüchliche Informationen auf Social Media.

00:02:45: Das war die Zeit, wo Finfluencer entstanden sind.

00:02:48: Und ich hab einerseits gesehen, die Nachfrage nach Wissen ist sehr stark.

00:02:51: aber es gibt sehr viel auf Social Media, das wissenschaftlich nicht fundiert ist,

00:02:56: und ganz ehrlich auch ein bisschen an Scams grenzt.

00:02:58: Und da habe ich gesagt, ich kann nicht den scammigen Leuten das Feld überlassen.

00:03:04: Und es war die Nachfrage so stark, eben nach den Vorträgen,

00:03:07: dass ich mich dann entschieden habe, in diese Richtung zu gehen.

00:03:10: Und ich sehe jetzt auch, dass es wirklich wichtig ist,

00:03:14: eben auf Social Media wirklich gut aufzupassen.

00:03:16: Mittlerweile gibt es mehr Leute, die das sehr fundiert machen.

00:03:19: Aber es gibt auch viele so get-rich-quick-Sachen,

00:03:21: die sehr, sehr gefährlich sind.

00:03:23: Ja, wenn man die Werbung sieht, es wirkt nicht super seriös.

00:03:27: Aber zudem kommen wir später auch noch.

00:03:30: Gab es im Laufe deines Weges einen Moment, an dem dir klar wurde,

00:03:33: dass Geldanlage nicht nur eine private Entscheidung,

00:03:37: sondern auch eine gesellschaftliche Frage ist?

00:03:39: Eigentlich immer.

00:03:40: Also ich sehe das als großes gesellschaftliches

00:03:43: und vor allem auch riesiges volkswirtschaftliches Thema -

00:03:46: aus verschiedenen Gründen.

00:03:48: Das eine ist natürlich die budgetäre Situation

00:03:50: und die demografische Situation im Pensionssystem.

00:03:53: Das ist das eine Thema.

00:03:54: Ich meine, das ist... das wäre eine Podcastfolge für sich.

00:03:57: Das andere Thema ist der Gender Aspekt.

00:04:00: Gender Pension Gap, der hält sich solide bei 41 Prozent, mal mehr - 42 Prozent,

00:04:05: aber im Prinzip hält er sich ziemlich stark.

00:04:07: Das heißt, da haben wir das zweite gesellschaftliche Thema.

00:04:10: Und Frauen gehen mit einem Pension Gap in ein System, das sowieso...

00:04:14: Jetzt haben wir wahrscheinlich drei Jahre hintereinander

00:04:17: Pensionsanpassungen unter der Inflation - also ein System, das sowieso bröckelt.

00:04:22: Dann ist der nächste Aspekt der privaten finanziellen Vorsorge,

00:04:26: dass wir hier eine Gesellschaft haben, die auf Finanzprodukte trifft,

00:04:31: über die sie wenig wissen.

00:04:33: Das heißt, junge Menschen in der Gesellschaft sind aufgrund der Demografie

00:04:36: de facto dazu gezwungen, selbst vorzusorgen.

00:04:38: Es fehlt ihnen aber oft das Kapital und das Produktwissen.

00:04:41: Und dann schlittern sie rein, teilweise in unseriöse Get-Rich-Quick-Sachen

00:04:47: oder, und das sehe ich auch jeden Tag, sie versuchen vorzusorgen,

00:04:50: sie wollen das Richtige tun,

00:04:52: aber aufgrund von mangelndem Wissen machen sie es total falsch

00:04:55: oder investieren in überteuerte Produkte, wo am Ende des Tages nichts rauskommt.

00:05:00: Und da sehe ich auch so ein bisschen eine Katastrophe auf uns zukommen

00:05:04: mit einigen Pensionsprodukten.

00:05:08: Wenn in 10, 20 Jahren die Leute draufkommen:

00:05:12: Okay, ich habe da investiert, aber es ist nicht wirklich viel rausgekommen,

00:05:15: einfach aufgrund der Produktstruktur und aufgrund der Kostenstruktur.

00:05:18: Und da möchte ich halt eben ein bisschen Bildung zur Verfügung stellen.

00:05:22: Leicht verständlich, damit es Menschen leichter fällt, die Themen zu lösen.

00:05:28: Aber ja, es ist ein gesamtgesellschaftliches Thema -

00:05:31: und zwar dreifach.

00:05:32: Also generell das staatliche Pensionssystem, der Gender Aspekt,

00:05:35: aber auch, und da tut sich in der Finanzindustrie mittlerweile sehr viel,

00:05:39: eben aufgrund auch von öffentlichem Druck,

00:05:41: das Thema Kosten, der Vorsorgekosten, der Veranlagung.

00:05:45: Wenn du heute auf die ersten Schritte im Investmentbereich zurückblickst,

00:05:49: was hättest du damals gerne früher schon gewusst?

00:05:52: Also gut, wie ich angefangen habe, das war unter ganz ganz anderen Bedingungen.

00:05:56: Ich habe ja angefangen, mich mit dem Thema zu beschäftigen, aus familiären Gründen.

00:06:00: Also beide meiner Eltern haben in dem Bereich gearbeitet.

00:06:02: Das heißt, ich hatte als Kind, schon sehr jung, Berührungspunkte damit.

00:06:07: Und ich habe begonnen zu investieren, hab mich interessiert für das Thema,

00:06:11: in den späten 90er-Jahren.

00:06:13: Meine ersten Aktien habe ich gekauft, da war ich 14 - 1999.

00:06:17: Das war sehr früh. Also ich hatte nicht mein eigenes Depot.

00:06:20: Das Depot war im Namen meiner Mutter oder meines Vaters,

00:06:23: das weiß ich gar nicht mehr.

00:06:24: Ich hab die gebeten, für mich in Depot zu eröffnen.

00:06:26: Und ich habe dann noch über Telefon gehandelt.

00:06:28: Und das waren einfach super heiße Tech-Aktien damals.

00:06:30: Es gab damals einen riesigen Boom.

00:06:33: Alle, die alt genug sind, um sich daran zu erinnern, werden sich auch daran erinnern.

00:06:37: Und dann kam, ich glaube, sechs oder acht Monate, nachdem ich begonnen hatte,

00:06:42: der Tech Crash 2000/2001.

00:06:45: Der Nasdaq verlor 80%, die meisten Unternehmen,

00:06:48: in die ich investiert habe damals, sind einfach pleite gegangen.

00:06:50: Also das war meine erste Kapitalmarkterfahrung.

00:06:53: Und das war aber auch gut so.

00:06:54: Weil dadurch habe ich mir gedacht, ok, ich muss das gescheit lernen.

00:06:57: Ich habe begonnen, viele Bücher zu lesen. Ich habe das später auch studiert.

00:07:00: Ich habe begonnen, in der Branche zu arbeiten.

00:07:02: Das waren meine ersten Schritte.

00:07:03: Und natürlich hätte ich damals gern das gewusst, was ich heute weiß.

00:07:07: Ich muss aber sagen, es wäre nicht möglich gewesen.

00:07:09: Weil viel von dem Wissen, von der Forschung,

00:07:12: das es mittlerweile gibt, das ist auch über 20 Jahre her,

00:07:15: das gab es damals einfach noch nicht.

00:07:17: Oder auch die Weiterbildungsmöglichkeiten im Internet.

00:07:20: Die 90er-Jahre waren erst überhaupt der Anfang des Internets.

00:07:24: Und abgesehen von Büchern und einigen obskuren Seminaren,

00:07:28: irgendwo in Deutschland oder so, wo ich natürlich nicht Zugang hatte dazu,

00:07:32: gab es im Sinne der Finanzbildung nicht allzu viel.

00:07:37: Du bist täglich im Kontakt mit Menschen auf Social Media oder privat,

00:07:41: die investieren wollen oder glauben, sie sollten es eigentlich schon längst machen.

00:07:45: Welche Mythen oder Missverständnisse rund ums Investieren

00:07:48: begegnen dir da am häufigsten?

00:07:51: Viele Leute sagen: Ich investier nicht am Kapitalmarkt,

00:07:53: weil da kann ich ja alles verlieren.

00:07:55: Und die Wahrheit ist, dass, wenn man ein paar simple Dinge beachtet,

00:08:01: ist der Totalverlust nahezu unmöglich.

00:08:05: Und das ist... Ich mein, was habe ich mit 14 gemacht?

00:08:07: Ich habe drei, vier verschiedene Aktien gekauft,

00:08:09: die alle in der gleichen Wachstumsbranche waren.

00:08:11: Dass vier Unternehmen in einer total gehypten Wachstumsbranche,

00:08:15: dass da die Kurse stark fallen, die Wahrscheinlichkeit ist gegeben.

00:08:19: Aber wenn man zum Beispiel heutzutage über breitgestreute Welt ETFs investiert,

00:08:24: die Wahrscheinlichkeit, dass die 1700 größten Unternehmen auf der Welt

00:08:28: alle gleichzeitig insolvent werden, ist extrem niedrig.

00:08:33: Wenn man sich das jetzt anschaut,

00:08:35: grade auch hinsichtlich der Kürzungen im staatlichen Pensionssystem,

00:08:39: die stattfinden,

00:08:40: und eine Anpassung unter der Inflation ist de facto eine Kürzung,

00:08:45: wenn man es offen sagt und nicht nett vermarktet.

00:08:47: Dann muss man auch sagen, wenn ich jetzt das Risiko mir ansehe,

00:08:53: auch hinsichtlich volkswirtschaftlicher Entwicklungen, Hochrechnungen,

00:08:57: fühle ich mich besser damit zu sagen: Wo sehe ich mich besser versorgt?

00:09:02: Indem ich einen Teil hab der 1700 größten Unternehmen der Welt,

00:09:06: oder ob ich mich für meine Altersvorsorge auf nur ein einziges Land verlasse

00:09:11: und quasi, dass dieses eine Land,

00:09:13: dass da budgetiert, die nächsten 50 Jahre alles gut geht.

00:09:16: Also wenn man das einmal so in Relation setzt, ist der Kapitalmarkt,

00:09:21: außer man zockt, setzt alles auf eine Aktie

00:09:24: oder solche Dinge, macht Day Trading,

00:09:26: langfristig gesehen, ein sehr sicheres Investment.

00:09:30: Ein großer Teil der Debatte rund um Geld findet, wie du vorher schon gesagt hast,

00:09:35: auf Social Media statt.

00:09:37: Wenn man sich dort umschaut, stößt man schnell auf die Finfluencer,

00:09:41: die mit einfachen Regeln und schnellem Erfolg ködern, sozusagen.

00:09:45: Wie siehst du diese Entwicklung?

00:09:48: Also ich sage immer zu dem Thema, schnelles Geld dauert 20 Jahre.

00:09:52: Und ich berate auch sehr viele Privatkundinnen, Privatkunden,

00:09:56: viele davon sind Unternehmerinnen und Unternehmer.

00:09:58: Die meisten davon sind über 45.

00:10:02: Alle, die sich etwas selbst aufgebaut haben,

00:10:05: haben dafür 20 Jahre oder mehr gebraucht.

00:10:07: Ich habe ein, zwei Ausnahmen, die haben, unter Anführungsstrichen,

00:10:10: "nur" 15 Jahre gebraucht.

00:10:12: Also die Idee vom schnellen Geld, das wäre auch wieder einer dieser Mythen,

00:10:16: das ist extrem gefährlich.

00:10:18: Denn ja, man kann schnelles Geld machen, aber da muss man enormes Risiko eingehen.

00:10:22: Und das geht in der Regel schief.

00:10:24: Und was man eben auch auf Social Media vielleicht falsch sieht,

00:10:27: wenn sich dort sehr erfolgreiche Leute präsentieren,

00:10:30: dass da 20 Jahre Arbeit schon dahinterstecken.

00:10:33: Aber die sieht man nicht.

00:10:34: Ja, niemand postet:

00:10:36: Ich schreibe jetzt um drei in der Früh noch E-Mails auf Social Media.

00:10:39: Also die ganzen langweiligen Dinge werden nicht gezeigt.

00:10:42: Und da muss man auch aufpassen. Auf Instagram sieht man das Endresultat.

00:10:47: Die Wahrheit ist aber, da stecken 15, 20 Jahre dazwischen

00:10:51: bei allen erfolgreichen Unternehmerinnen und Unternehmern,

00:10:55: die mir bis jetzt untergekommen sind, war es so.

00:10:57: Mit ganz, ganz wenigen Ausnahmen.

00:10:59: Also da muss man aufpassen.

00:11:00: Und bei den Finfluencern gibt es verschiedene große Themen.

00:11:05: Das eine Thema ist natürlich, dass Menschen, die aus der Branche kommen,

00:11:13: von der Finanzecke, keine guten Marketerinnen und Marketer sind.

00:11:18: Also ich habe mir gedacht, ich muss eh mal irgendeinen Instapost drüber machen.

00:11:21: Wem würdest du eher folgen?

00:11:22: Da gibt es zum Beispiel in meinem Umfeld zwei Immobilienmenschen, denen ich folge.

00:11:26: Die kenne ich persönlich.

00:11:28: Der eine hat im Alter von, ich glaub 36, über 100 Objekte angesammelt.

00:11:34: sein ganzes Leben Unternehmer,

00:11:35: aber auch jemand, der schon als Teenager-Unternehmer war.

00:11:38: Das heißt, da stecken auch wieder 20 Jahre dazwischen, also dahinter.

00:11:42: Und ein anderer, der auch schon in den frühen 2000er begonnen hat,

00:11:46: sehr heruntergekommen Immobilien aufzukaufen und zu sanieren.

00:11:50: Das heißt, da stecken 25 Jahre Erfahrungen dahinter.

00:11:53: Die beiden Leute haben so 10 - 20.000 Follower.

00:11:56: Dann gibt es in Deutschland Immobilieninfluencer, die,

00:12:00: die, was deutschen Medien recherchiert haben,

00:12:03: vielleicht eine Handvoll Wohnungen gekauft haben.

00:12:07: Die haben über eine Million Follower.

00:12:10: Mittlerweile, aufgrund von Produkt- vermittlungen Klagen anhängig.

00:12:15: Also da gibt es ganze Podcasts eben aus Deutschland darüber.

00:12:19: Und da sieht man halt einfach, dass die Leute, die wirklich im Geschäft sind,

00:12:23: die haben ja auch keine Zeit, so viel auf Social Media zu machen.

00:12:25: Ich hab auch einen Fall von jemandem, der noch mehr Erfahrung hat als ich.

00:12:29: Der seit 30 Jahren im Geschäft, Bankvorstand.

00:12:32: Der hat, glaube ich, 200, 300 Follower.

00:12:34: Und dann hat man eben oft sehr junge Marketing-Leute,

00:12:38: die perfekt sind im Social Media Marketing,

00:12:40: die kriegen innerhalb einer Woche 45.000 Follower.

00:12:43: Aber das ist keine Expertise dahinter.

00:12:44: Und da gibt es einen sehr starken Disconnect auf Social Media,

00:12:47: das sehe ich ganz, ganz stark.

00:12:49: Ich glaube, es ist auch in der Generation einfach schwierig, so geduldig zu sein

00:12:55: und zu sagen, okay, wenn ich in 20 Jahren finanziell gut aufgestellt sein soll,

00:13:00: dann muss ich jetzt damit anfangen.

00:13:02: Und dann fällt man halt schneller mal auf so Sachen rein, die da sagen:

00:13:07: "Investiere nach meinem Plan und in fünf Monaten hast du 100.000 Euro."

00:13:12: Oder so was.

00:13:13: Da muss ich ganz klar sagen, das ist nicht ein Fehler der Gen Z.

00:13:16: Ich war mit Anfang 20 auch nicht anders.

00:13:18: Ich meine, ich habe im Aktienhandel gearbeitet.

00:13:21: Ich habe auch sehr viel getradet.

00:13:23: Natürlich, mit Anfang 20 habe ich auch an das schnelle Geld gedacht.

00:13:26: Da hatte ich auch noch nicht die Lebenserfahrung.

00:13:28: Also Gen Z sollte sich nicht schlecht fühlen dafür,

00:13:31: dass sie sagen, boah, ich möchte schnell Geld machen.

00:13:34: Und ich habe aber dann, eben weil ich das alles studiert habe,

00:13:37: auch gemerkt, und auch weil mit ein paar Dingen, würde ich sagen,

00:13:43: nicht unbedingt darauf reingefallen bin,

00:13:45: aber ich habe auch sehr viel Zeit verloren, nicht unbedingt Geld,

00:13:49: aber sehr viel Zeit verloren, bei Dingen, die schneller Geld versprochen haben.

00:13:54: Also das habe ich dann gemerkt und das ist auch im Unternehmertum etwas.

00:13:58: Also immer, wenn mir jemand anbietet, ja, mach irgendwie dieses eine kurze Ding,

00:14:01: da kriegst du urviel Geld, da denk ich, nein, nein, nein, nein.

00:14:03: Es gibt nicht das eine kurze Ding, wo du urviel Geld kriegst.

00:14:06: Also es gibt das lange Ding, wo du echt Jahre und Expertise

00:14:09: und Arbeit reinstecken musst, ja und dann kriegst du viel Geld.

00:14:12: Also aber das ist nicht ein Fehler der Gen Z.

00:14:14: Ich glaube, jede Generation war so.

00:14:16: Ich glaube, mein Vater, wenn ich den fragen würde,

00:14:19: der wurde mit 25, 26 Aktienhändler ...

00:14:22: Damals gab es kein schnelles Geld an der Börse,

00:14:25: weil die österreichische Börse noch kaum aktiv war.

00:14:27: Aber ich denke, dass er mit 20, Mitte 20 wahrscheinlich ähnlich gedacht hat.

00:14:32: Wenn wir nun bei den Finfluencern oder diesen Inhalten bleiben,

00:14:35: es geht ja oft nicht nur um Geld, sondern auch um Haltung -

00:14:39: im Sinne von Ideologien über Arbeit, über Erfolg, über Wert.

00:14:43: Und die schwingen dabei mit.

00:14:45: Was hast du dafür ein Gefühl dazu?

00:14:48: Man muss ... so ein paar Unterscheidungen treffen.

00:14:52: Es gibt eine Bubble, die ich sehe, gerade bei weiblichen Finfluencerinnen

00:14:57: oder Finanzinfluencerinnen generell, dass es da darum geht,

00:15:02: um so etwas wie Money, Mindset und Manifestieren.

00:15:05: Das ist ein bisschen ein weiblicher besetzteres Thema.

00:15:08: Bei den Männern ist es ein bisschen anders.

00:15:10: Da geht es eher so um die richtige Haltung, das richtige Mindset.

00:15:12: Und da muss ich sagen, ja, es ist schon wichtig,

00:15:17: Dinge vielleicht etwas positiver zu sehen.

00:15:19: Also man kann mit der eigenen inneren Haltung viel machen.

00:15:23: Aber die eigene innere Haltung kann nicht gesellschaftliche Haltungen aushebeln.

00:15:30: Das heißt, ich hatte da auch eine lustige Erfahrung

00:15:33: mit einem männlichen Bekannten von mir.

00:15:35: Ich habe eine Passage geschrieben, wie ich Anfang 20 war.

00:15:38: Ich war im Schnitt wesentlich jünger als die meisten Menschen in Österreich,

00:15:42: wie ich mit meiner Ausbildung fertig war.

00:15:45: Weil ich aus dem internationalen Umfeld komme

00:15:47: und da ist es eigentlich so, mit 18 machst du Matura,

00:15:49: dann machst den Bachelor, das dauert drei Jahre,

00:15:51: mit 21 bist du mit dem Studium fertig und gehst in Arbeitsmarkt.

00:15:54: In Österreich ist das meistens etwas länger.

00:15:57: Das heißt, ich war extrem jung für die Positionen, für die ich mich beworben hab.

00:16:01: Und das war sehr, also ich würde sagen, ich war ein bisschen exotisch.

00:16:06: Und das war in der österreichischen Bankenszene

00:16:08: damals überhaupt nicht akzeptiert.

00:16:09: Also, das war ... Das weirdeste, dass ich einmal hatte:

00:16:13: Ich dachte mir, ich bewerbe mich, ich mache nicht den normalen Weg.

00:16:16: Sondern ich habe, da gab es irgendwie beim Supermarkt Angebot für Bonsai-Bäume,

00:16:20: günstige Bonsai-Bäume.

00:16:21: Und dann habe ich die zu Banken hingeschickt und habe gesagt:

00:16:24: Hey, ich möchte mich bewerben. Ich bin wie ein Bonsai-Baum.

00:16:26: Ich bin vielleicht klein, weil ich noch jünger bin, aber ich habe viel zu bieten.

00:16:30: Und wenn man mich gießt, dann werde ich ganz stark.

00:16:32: Und eine Bank hat mir wirklich einen bösen Brief geschrieben.

00:16:34: Ich soll meinem Baum wieder abholen.

00:16:37: Also das war so meine Erfahrung.

00:16:38: Und ich muss ganz offen sagen, ich habe in meinen frühen und Mitt-20ern

00:16:43: extrem, extrem darunter gelitten, dass ich als junge Frau

00:16:48: überhaupt nicht ernst genommen wurde.

00:16:50: Und dass ich zum Beispiel, ich habe dann geschaut ...

00:16:52: Dann kam später LinkedIn. Ich hab mich für Jobs beworben.

00:16:54: Ich war dabei Interviews.

00:16:55: Dann hab ich gesehen, wer die Jobs bekommen hat.

00:16:57: In meinem Buch hab ich geschrieben, ein Typ mit blauem Pullover von der WU.

00:17:00: Weil die wollten halt einen Typ mit blauem Pullover von der WU.

00:17:03: Und das war ich halt nicht.

00:17:05: Und da kann ich auch noch das geilste Mindset haben.

00:17:08: Wenn hier von der Gesellschaft oder damals eben von den HR-Leuten

00:17:13: oder Hiring Managers gewisse Vorurteile da sind,

00:17:17: die kann ich wahrscheinlich mit meinem Mindset nicht aushebeln.

00:17:20: Gleichzeitig, wenn ich eine gewisse mentale Hygiene betreibe,

00:17:24: wenn ich selbst an mich glaube, wenn ich daran arbeite,

00:17:27: auch an den Dingen, die ich über mich selbst glaube,

00:17:29: halte ich das schon für sehr hilfreich.

00:17:31: Aber es ist ein Teil des Puzzles.

00:17:33: Und da sage ich auch immer zum Beispiel,

00:17:35: erfolgreiches Investieren ist ein Teil Technik, Finanzmathematik,

00:17:38: und der andere Teil ist Verhaltensökonomie, Psychologie.

00:17:41: Und da spielt das natürlich mit.

00:17:43: Wenn ich selbst an mich glaube, dann bin ich eher gewillt,

00:17:46: über meinen Schatten zu springen, ein Risiko einzugehen, was Neues zu lernen.

00:17:51: Das sind schon wichtige Dinge.

00:17:52: Aber ich bin nicht ein Fan des Ganzen:

00:17:54: Na ja, du setzt dich einfach hin und manifestierst das Ganze,

00:17:57: und dann wird das schon passen.

00:17:59: Ja, ich hab auch schon lustige Dinge in meinem Leben manifestiert.

00:18:02: Eher aus Spaß.

00:18:03: Aber ich glaube, man muss sich hinsetzen, man muss die technischen Dinge lernen.

00:18:07: Und natürlich, was auch mitspielt, ganz wichtig für Millennials und Gen Z,

00:18:11: jetzt im Vergleich zu meinen Eltern:

00:18:13: Wir haben - das trifft besonders Gen Z, aber auch Millennials hatten das -

00:18:16: nach der Finanzkrise 2008 schwierige Arbeitsmärkte.

00:18:20: Und da gibt es auch Studien drüber, vor allem aus den USA -

00:18:22: die haben mehr Datenmaterial.

00:18:24: Was das für dein Lebenseinkommen bedeutet, wenn du fertig bist mit deiner Ausbildung

00:18:28: und es ist gerade ein schwieriger oder ein guter Arbeitsmarkt.

00:18:30: Das ist immens.

00:18:31: Das kannst du nicht beeinflussen, ob du gerade fertig bist

00:18:35: und auf den Jobmarkt gehst und es ist gerade eine schreckliche Wirtschaftslage

00:18:39: oder es ist eine super Wirtschaftslage.

00:18:40: Und das kann sich innerhalb von zwei, drei Jahren verändern.

00:18:43: Also das spielt natürlich auch mit.

00:18:44: Und dann viele andere Gegebenheiten, die man halt...

00:18:46: Wie gesagt, auch wenn man noch so ein starkes Mindset hat,

00:18:49: kann man die ökonomische Entwicklung des Landes nicht damit aushebeln.

00:18:53: Dieses gesellschaftliche Mindset von Mann, Frau bringt mich eh zur nächsten Frage.

00:18:58: Börse, Trading und Investitionen gelten oft eben als Männersache.

00:19:02: Woher kommt aus deiner Sicht diese kulturelle Prägung?

00:19:06: Man muss bedenken, dass es gar nicht so lange her ist.

00:19:08: Ich glaube, 1973 und 1976 kamen Familienrechtsreform in Österreich

00:19:13: und davor durfte eine verheiratete Frau ohne die Zustimmung des Ehemannes

00:19:17: nicht arbeiten bzw. ohne Zustimmung kein eigenes Bankkonto führen.

00:19:22: Und das heißt, historisch gesehen,

00:19:24: das ist aber auch europäisch kulturell - in anderen Ländern läuft es anders.

00:19:28: Das sieht man da auch.

00:19:29: War tendenziell der Mann für die Finanzgebahrung des Haushalts zuständig.

00:19:34: Und das sind einfach Dinge, da sind wir auch wieder bei Mindset,

00:19:37: und mehr ist das Mindset,

00:19:39: das sind Rollenbilder, die sehr tief geprägt sind.

00:19:43: Und wir haben das heute auch immer noch.

00:19:45: Es ging vor einigen Tagen, ich glaube, außer man lebt unter einem Stein,

00:19:49: Social-Media technisch, haben das alle mitbekommen, eben von einem Sportler,

00:19:53: der darüber gesprochen hat, dass seine Frau in 20 Jahren unterstützt hat.

00:19:57: Aber ja, gut, er bringt das Geld nach Hause, deswegen muss sie zurückstecken.

00:20:01: Das ist 2026 in Österreich.

00:20:03: Und es gab auch, glaube 2021, damals von der Hello Bank, eine Umfrage,

00:20:09: dass in Österreich 20 Prozent der Frauen

00:20:12: kein eigenes eigenständiges Bankkonto haben.

00:20:15: 20 Prozent der Frauen. Das ist jede fünfte.

00:20:19: Ich glaube, da braucht es ehrlicherweise noch ein, zwei Generationen -

00:20:22: ich glaube, Gen Z ist da sehr, sehr weit -

00:20:25: um hier ein gleiches Verhältnis herzustellen.

00:20:29: Etwas, das ich als positiv empfinde, sieht man zum Beispiel in den USA,

00:20:33: dass es dort in vielen Staaten schon den Reverse Gender Pay Gap gibt.

00:20:37: Also, dass junge Frauen besser ausgebildet sind,

00:20:39: und in vielen Bundesstaaten in ihren 20ern, die Kohorte 20 bis 25,

00:20:43: mehr verdienen als Männer.

00:20:45: Also, das sieht man schon... Wobei, das sollte ja auch nicht sein.

00:20:49: Ideal wär natürlich,

00:20:50: wenn das Geschlecht beim Einkommen keine Rolle mehr spielen würde.

00:20:53: Aber so weit sind wir noch nicht. Es geht schon in die richtige Richtung.

00:20:56: Ich bin da sehr optimistisch.

00:20:58: Aber ja, das ist bei Frauen noch eine gewisse Risikoaversion,

00:21:03: die aber auch in vielen Hinsichten begründet ist.

00:21:09: Und besonders groß ist der Gap natürlich eigentlich genau genommen

00:21:12: nicht bei Frauen, sondern bei Müttern.

00:21:16: Also, da sieht man dann auch, was das Einkommen betrifft,

00:21:19: die wirklich großen Unterschiede nicht zwischen Männern und Frauen,

00:21:22: sondern zwischen Männern und Frauen die Kinder bekommen.

00:21:25: Und meinst du da jetzt auch Frauen oder Mütter,

00:21:27: die in Beziehung leben oder Alleinerziehende?

00:21:31: Beides natürlich.

00:21:32: Wobei man muss hier eines sagen, vor allem was geschiedene Mütter

00:21:36: oder Alleinerziehende betrifft, man muss hier sagen,

00:21:39: dass die Gesetze mit den Lebensrealitäten nicht mitgehalten haben.

00:21:44: Im schwarz-grünen Koalitionsvertrag

00:21:49: stand zum Beispiel das verpflichtende Pensionssplitting.

00:21:52: Wurde dann nicht umgesetzt. Da gab's auch viele Gründe dafür.

00:21:54: Ich hab die Leute auch gefragt, hey, das wäre ja mal was.

00:21:57: Aber wurde dann doch nicht umgesetzt.

00:21:59: Und wir haben jetzt einfach in Beziehungen und was Kindererziehung betrifft,

00:22:04: gewisse Lebensrealitäten, aber die Gesetze haben nicht mitgehalten.

00:22:07: Auch was generell Pensionszeiten betrifft, was Unterhaltsregelungen betrifft, etc.

00:22:13: Das heißt, viele Alleinerziehende sind dann besonders davon betroffen.

00:22:19: Aber generell sieht man schon den Unterschied,

00:22:22: ob man jetzt Mutter ist oder nicht.

00:22:23: Ich bin ja selbst Mutter von zwei Kindern, zwei und sechs.

00:22:26: Und das macht im Leben schon einen enormen, enormen Unterschied.

00:22:30: Und wenn Frauen dir dann erklären, warum sie nicht, noch nicht investieren,

00:22:34: welche Ängste, Zweifel oder Erfahrungen hörst du da?

00:22:38: Also eines ist auf jeden Fall das Thema Berührungsängste.

00:22:42: Dass man sagt, ja - und es ist auch natürlich mit Social Media einerseits -

00:22:47: ja, es gibt guten Content, es gibt schlechten Content,

00:22:49: aber es ist auf jeden Fall viel, richtig viel.

00:22:52: Und da ist einfach die Überforderung.

00:22:54: Ja, ich will investieren. Aber wo fange ich eigentlich an?

00:22:57: Es gibt über 3000 in der EU zugelassene ETFs.

00:23:01: Welche drei nehme ich davon?

00:23:02: Ist ja eine große Auswahl.

00:23:03: Oder investiere ich jetzt in Immobilien?

00:23:05: Oder gehe ich jetzt, was weiß ich, was, in Kryptowährungen? Whatever.

00:23:09: Was soll ich eigentlich konkret machen?

00:23:10: Wo mache ich meine ersten Schritte, die sinnvoll sind?

00:23:13: Wie schaut es aus mit Bankprodukten? Was ist gut? Was ist schlecht?

00:23:15: Und es ist einfach die Informationsfülle,

00:23:17: die sehr viele Menschen da draußen erschlägt.

00:23:20: Das Gefühl habe ich auch, weil man muss sich zuerst, also bevor man startet,

00:23:24: müsste man sich ja sehr intensiv erst mit dem Thema auseinandersetzen,

00:23:28: um zu wissen, okay, in diese Richtung soll es für mich gehen.

00:23:31: Das ist mein Eigenkapital, mit dem ich investieren kann.

00:23:34: Das ist die Zeit, die ich mir selbst zur Verfügung stelle dafür.

00:23:39: Ich glaube, da ist die Hürde relativ groß nach wie vor.

00:23:43: Aber dein Podcast hilft ja.

00:23:45: Ich habe mir schon ein paar Folgen angehört.

00:23:48: Ja, das ist auch die Intention meiner Arbeit.

00:23:49: Also einerseits durch den Podcast, Buch, aber eben auch die Kurse

00:23:53: und die Workshops, die ich mache,

00:23:54: den Leuten einen Fahrplan für die ersten Schritte zu geben.

00:23:58: Alles, was danach kommt, ist sowieso sehr individuell.

00:24:01: Aber es geht einfach darum, okay, so kannst du simple starten.

00:24:05: Und die Frage ist dann auch oft: Okay, soll ich das selber lernen?

00:24:08: Oder soll ich mich beraten lassen?

00:24:10: Und da ist immer natürlich ein Trade-off, was die Kosten betrifft.

00:24:13: Also langfristig gesehen, die Beratungs... es gibt teure Beratung, die gut ist.

00:24:17: Es gibt teure Beratung, die extrem schlecht ist.

00:24:19: Es gibt günstige Beratung, die gut ist und günstige, die schlecht ist.

00:24:23: Und natürlich ist eine Schwierigkeit, wenn ich null Vorwissen habe,

00:24:26: dann ist es ja auch schon schwer, eine gute Beratung auszuwählen.

00:24:28: Anhand von welchen Kriterien?

00:24:30: Und die Beratung hat natürlich langfristig auch einen Kosten Trade-off.

00:24:33: Deswegen sage ich, ja, ein bissl Basiswissen ist schon wichtig,

00:24:36: um zu starten.

00:24:38: Und habe letzte Woche auch einen Workshop gehalten, mit zehn Schritten,

00:24:43: also die zehn wichtigsten Schritte, zur ultimativen Vorsorge.

00:24:46: Und das ist eine Stunde, zehn Schritte. Es ist natürlich total viel zu viel.

00:24:49: Aber einfach, dass die Leute mal wissen,

00:24:51: das sind zehn Punkte, die ich mir anschauen kann.

00:24:53: Und wenn du mal die zehn Punkte kennst, kommst du sowieso so viel tiefer rein.

00:24:56: Weil dann kannst du dir jeden Punkt einzeln anschauen.

00:24:59: Und dann weißt du auch, welche Fragen du stellen musst.

00:25:02: Ja, das ist ganz wichtig.

00:25:03: Weil am Anfang, wenn man sich noch nie mit dem Thema beschäftigt hat,

00:25:07: ja, es ist mega überwältigend.

00:25:09: Und mittlerweile, also, viele Leute, die bei mir jetzt ein Jahr

00:25:13: oder länger in deinem Programm sind,

00:25:15: die stellen schon Fragen, die wirklich High-Level sind.

00:25:17: Wo ich dann zum Beispiel die Pensions- versicherungsanstalt anrufen muss,

00:25:23: und die Fragen, die aus meiner Community gestellt werden ...

00:25:26: Dann sagen mir die: Boah, das weiß ich auch nicht,

00:25:28: das muss ich bei der Rechtsabteilung recherchieren.

00:25:30: Also, mit der Zeit, wenn man sich mal die Basiskenntnisse aneignet,

00:25:34: dann bekommt das eine Eigendynamik.

00:25:36: Also, viele in der Community, die mir schreiben, sagen:

00:25:38: Larissa, ich dachte nie, dass mich das Thema Finanzen investieren würde.

00:25:42: Jetzt habe ich einmal damit angefangen und jetzt lese ich diese Nachrichten.

00:25:45: Jetzt habe ich Investments. Jetzt interessiere ich mich total dafür.

00:25:48: Jetzt mache ich das, das, das.

00:25:49: Also, mit der Zeit bekommt es schon eine Eigendynamik.

00:25:52: Aber es muss auch nicht bei jedem so sein.

00:25:54: Und das, was in unserer Gesellschaft noch fehlt, ist,

00:25:58: und das ist leider extrem schwierig, das darzustellen,

00:26:01: eine niederschwellige, günstige, fundierte Beratung.

00:26:05: Weil es wirtschaftlich aufgrund der Regularien nicht möglich ist,

00:26:12: Beratung sehr günstig anzubieten.

00:26:14: Weil natürlich der regulatorische Aufwand dahinter -

00:26:17: wenn man schaut, was eine Konzession kostet,

00:26:20: alles, was man braucht, an legal fees -

00:26:22: allein für den regulatorischen Aufwand, schon relativ hoch ist.

00:26:26: Das heißt, im Prinzip, ja, gibt es eine sehr große Marktlücke bis jetzt.

00:26:31: Vielleicht durch KI und auch andere Technologien,

00:26:35: wird es besser möglich sein, die zu füllen,

00:26:37: aber bis jetzt ist die einfach noch da.

00:26:39: Die EU hat das versucht mit dem PEPP, Pine European Pension Product, P-E-P-P.

00:26:45: Da haben sie gesagt, okay, das ist quasi eine Pensionsvorsorge,

00:26:49: die du in jedes EU-Land mitnehmen kannst.

00:26:52: Und die darf aber maximal 1% kosten.

00:26:56: Jetzt ist das Problem, dass in Österreich derweil, meines Wissens nach,

00:27:00: also ein Anbieter wollte es machen,

00:27:02: kein Anbieter ein derartiges Produkt aufgelegt hat.

00:27:06: Weil es sich für die Anbieter nicht rechnen würde.

00:27:09: So ein komplexes Produkt zu bauen mit 1%, das geht sich einfach nicht aus.

00:27:13: Und ich glaube, auch in anderen Ländern gibt...

00:27:15: Also, es ist ein bisschen ein, wie soll man sagen,

00:27:18: ja, so wie ein hässlicher Weihnachtssweater.

00:27:20: Das Ding verkauft sich halt nicht wirklich gut.

00:27:22: weil es sich für die Versicherungsunternehmen

00:27:25: und Finanzdienstleister nicht rechnet.

00:27:28: Und da haben wir halt eben noch eine sehr große Lücke.

00:27:31: Ich hoffe, wir werden es schaffen, in den nächsten 5 bis 10 Jahren,

00:27:34: die durch Technologie zu schließen.

00:27:36: Meine letzte Frage an dich.

00:27:39: Geld ist für viele ein emotionales Thema.

00:27:42: Und du plädierst für Nüchternheit beim Investieren.

00:27:45: Was meinst du damit?

00:27:47: Also einerseits, Nüchternheit in dem Sinne von

00:27:51: man darf sich nicht gleich erschrecken lassen, gerade am Kapitalmarkt.

00:27:55: Wir haben seit 150 Jahren sehr solide Daten über den Kapitalmarkt.

00:27:58: Sehr gute Zuwächse, aber auch Schwankungen um 50%.

00:28:02: Das ist kein Crash. Das ist Teil des Ganzen.

00:28:04: Das ist die letzten 150 Jahre so.

00:28:06: Seit 400 Jahren gibt es Kapitalmärkte. Da sind die Daten nicht so genau.

00:28:10: Aber alle Daten, die wir davor haben, zeigen das Gleiche.

00:28:12: Es ist de facto seit 400 Jahren das Gleiche.

00:28:14: Es gibt diese Schwankungen.

00:28:16: Darauf muss man sich einfach emotional vorher schon einstellen und vorbereiten.

00:28:21: Es ist einfach Teil des Ganzen.

00:28:22: Das heißt, nicht in Panik verfallen, einerseits Nüchtern sein.

00:28:25: Aber auch nicht glauben, dass man jetzt wild herumzocken muss

00:28:30: und auch nicht übermütig werden, wenn es einmal gut läuft.

00:28:33: Das ist nämlich auch eine riesige Gefahr, wo es immer wieder Leute erwischt,

00:28:37: die dann total übermütig werden, wenn es gut läuft.

00:28:39: Also diese Nüchternheit.

00:28:41: Und auch so ein bisschen die Emotionalität zu verlieren.

00:28:44: Mir wär lieber, wir würden über das Thema Geld ein bisschen mehr so reden,

00:28:47: wie über das Thema Gesundheit, Gesundheitsvorsorge.

00:28:49: Dass man sagt, ja, es ist normal, das zu machen.

00:28:53: Und vor allem auch mehr Offenheit über das Thema.

00:28:57: Denn wenn man auch sehr viele Leute in der persönlichen Beratung auch hat,

00:29:04: man merkt da, das ist total weird.

00:29:07: Und eine Sache, die ich allen mitgeben kann auf Social Media, ist:

00:29:11: Die Leute, die sehr erfolgreich und vor allem sehr reich sind, denen ...

00:29:17: Also, je reicher die Person, desto weniger sieht man's ihr an.

00:29:19: Es gibt ja den Begriff Stealth Wealth.

00:29:23: Und mein Bruder und ich, wir sind so Fans von Wortwitzen.

00:29:27: Und da haben wir eben irgendwann über diesen term Stealth Wealth gelacht.

00:29:31: Und da habe ich ihm gesagt: Well, you know, my wealth is so stealth,

00:29:34: it's not even showing up in my bank account.

00:29:37: Das war so ein bisschen unser Witz.

00:29:39: Und ja, einfach nicht so emotional sein bei dem ganzen Thema.

00:29:45: Einfach schauen, dass man da simple Schritte macht.

00:29:48: Was man auch sagen muss, man soll sich nicht unter Druck setzen.

00:29:51: Es gibt wirklich im Rahmen jedes Budgets gewisse Möglichkeiten.

00:29:57: Und dass man sagt, auch wenn ich das Budget nicht habe für das und das,

00:30:01: ich kann zumindest dieses kleine Ding derweil für mich machen,

00:30:05: um eben finanziell besser versorgt zu sein.

00:30:09: Danke dir für die tollen Einblicke.

00:30:12: Jetzt kurz vor Schluss, haben wir noch den oekostrom AG-Kurzschluss.

00:30:15: Ich stelle dir fünf kurze Fragen, die du einfach spontan beantwortest.

00:30:23: Bauchgefühl oder Excel-Tabelle?

00:30:26: Excel-Tabelle.

00:30:28: Außer, dass Bauchgefühl sagt, mach es nicht, dann Bauchgefühl.

00:30:31: Aber bevor ich es mache, Excel-Tabelle, Hardcore-Excel-Tabelle.

00:30:35: Optimieren oder loslassen? - Optimieren.

00:30:39: Podcast oder Buch? - Podcast.

00:30:43: Leise denken oder laut diskutieren? - Laut diskutieren.

00:30:48: E-Mail oder Anruf?

00:30:49: Oh Gott, ich bin ein Millennial. Nein, WhatsApp-Nachricht, sorry.

00:30:54: Danke dir, dass du heute bei "geladen" warst.

00:30:57: Und danke euch fürs Dabeisein und fürs Zuhören.

00:31:01: Wenn euch die Folge gefallen hat, lasst uns gerne ein Abo da

00:31:03: und schickt sie weiter an Menschen, die vielleicht bald investieren sollten.

00:31:07: Bis zum nächsten Mal bei "geladen", der oekostrom AG-Podcast.

00:31:11: Denn hier kommt die Zukunft zu Wort.

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.