#80 Magdalena Wallis: Lähmt uns das schlechte Klima-Gewissen?
Shownotes
Wir wissen längst, wie ernst die Klimakrise ist und trotzdem handeln wir im Alltag oft anders, als wir eigentlich wollen. Nicht aus Ignoranz, sondern weil viele Entscheidungen systemisch vorgegeben sind, unbequem werden oder schlicht zu viel Energie kosten. Dieses Spannungsfeld kann lähmen.
In Folge #80 von Geladen sprechen wir mit Klimakommunikatorin und Nachhaltigkeitsexpertin Magdalena Wallis darüber, warum wir uns davon nicht blockieren lassen sollten, sondern dieses Wissen in Handlung übersetzen müssen.
Ein Ort, an dem dafür besonders viel Raum ist: der Arbeitsplatz. Fast alle Unternehmen stehen vor der Aufgabe, nachhaltiger zu werden – aus Überzeugung, aus Verantwortung oder aus regulatorischer Notwendigkeit. Wenn es gelingt, nachhaltige Praktiken gemeinsam in den Arbeitsalltag zu integrieren, entsteht Wirkung jenseits individueller Verzichtslogik.
Wir sprechen darüber,
- warum Klimaschutz im Alltag oft scheitert
- weshalb er kein individuelles Moralthema ist
- welche Hebel Unternehmen wirklich haben
- wie nachhaltige Praktiken wirksam implementiert werden können
- und was es braucht, damit sie langfristig tragen
Eine Folge darüber, wie aus Wissen gemeinsames Handeln wird – und warum wir am Arbeitsplatz bereits viel bewegen können.
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Anna Kratki: Wir leben in einer Zeit, in der wir so gut informiert sind wie noch nie zuvor, aber uns gleichzeitig oft schlechter fühlen wie noch nie zuvor. Klimakrise, wir kennen die Zahlen, wir kennen die Prognosen, Kipppunkte und trotzdem fliegen wir, fahren mit dem Auto, kaufen vielleicht auch Dinge, die wir gar nicht mal wirklich brauchen und auch wissen, dass wir sie gar nicht kaufen sollten. Wir wissen also Bescheid handeln aber anders. Und auf einmal ist dieses eine Gefühl da. Climate gilt. Das ist ein Schuldgefühl, was einerseits antreiben kann, aber auch sehr, sehr oft lehnt. Viele Menschen spüren das vor allem dann auch im Privaten ganz besonders und fragen sich, was kann ich denn eigentlich als Einzelne als Einzelner da dagegen machen und überhaupt bewirken. Und genau an diesem Punkt rückt dann ein Ort ganz besonders in den Fokus, an dem wir nicht allein sind, sondern gemeinsam handeln könnten. Und zwar der Arbeitsplatz. Wir verbringen dort einen Großteil unserer Zeit, treffen Entscheidungen, gestalten Prozesse, beeinflussen andere. Die Frage ist also, kann dieser Ort, also unser Arbeitsplatz, auch ein Ort sein, an dem wir vom schlechten Gewissen ins konkrete Handeln kommen? Welche Rolle können oder müssen sogar Unternehmen dabei spielen, Menschen aus diesem Gefühl von Climate gilt rauszuholen? Und wo liegen dabei die Kriterien Darüber sprechen wir heute mit unserem Gast Magdalena Wallis.
Magdalena Wallis: Hallo, mein Name ist Magdalena Wallis. Ich war die letzten fünf Jahre bei Glacier, zuletzt als Head of Climate Ranger Academy und habe dort mit meiner großartigen Kollegin Denise Kovarik Menschen zum Thema Klimaschutz und Nachhaltigkeit empowern dürfen. Wir haben Workshops, Aktivierungstage, E-Learnings und viele verschiedene Formate zu dem Thema angeboten. Und es ging immer darum zu zeigen, wie cool kann Klimaschutz sein? Was müssen wir darüber wissen? Und dann noch viel mehr Wichtiger, was können wir für den Klimaschutz tun? Und das Ganze immer in einem Unternehmenskontext, weil ich ganz, ganz fest daran glaube, dass dort noch zu wenig passiert und dass wir dort aber ganz, ganz große Hebel haben, die es zu betätigen gilt.
Anna Kratki: Magdalena, voll cool, dass du heute da bist. Ich freue mich extrem auf diese Folge. Ich habe auch sehr, sehr viele Fragen vorbereitet und wir starten auch gleich rein mit dem Begriff, den ich eben vorhin schon erwähnt habe, Climate gilt. Magst du vielleicht noch mal ganz kurz erklären, was heißt das und warum ist er jetzt gerade so präsent in unserer Gesellschaft?
Magdalena Wallis: Ich versuche es vielleicht einmal mit ein paar Beispielen, wann ich Climate Guilt verspür. Ich verspüre Climate gilt, wenn ich meinem Hund Fleisch verfüttere, obwohl ich weiß, wir sollten alle weniger Fleisch konsumieren. Jetzt vor ein paar Wochen hat mich eine Freundin gefragt: Hey, wollen wir am Wochenende wegfahren? Sie würde urgerne nach Portugal fliegen. Für ein Wochenende wohin fliegen? Direkt Gefühl der Climate Guilt ausgelöst. Ich verspüre aber auch Climate gilt, wenn ich um vier Uhr früh nach dem Fortgehen so richtig Bock auf einen Döner eigentlich hätte. Und leider nicht auf Falafel-Döner, sondern doch auf den Fleischdöner. Also so verschiedene Momente im Alltag, wenn wir mit dem Wissen, was wir zum Thema Nachhaltigkeit und Klimaschutz haben, uns unwohl fühlen, weil wir wissen, wir könnten es eigentlich besser machen. Und das ist vor allem ein Gefühl, dass ich in unserer, dass ich in unserer Sustainability Bubble, in Leuten, die im Klimaschutz- und Nachhaltigkeitsbereich arbeiten oder einfach total intrinsisch motiviert sind und da viel machen, sehr oft sehe und sehr oft sehe, dass es die Leute total zurückhält. Und das finde ich sehr, sehr schön Schade.
Anna Kratki: Warum kann Climate Guilt deiner Erfahrung nach eher lähmen und eben nicht als Motivation gesehen sein werden?
Magdalena Wallis: Ich finde, es kommt immer darauf an, was löst diese Climate Guilt aus und wie groß ist sie? Ich würde sagen, bei den Gruppen, die schon viel zum Thema Klimaschutz machen, führt es oft dazu, dass wir uns in totalen Kleinigkeiten verlieren. Also, das sind die Leute die schon weniger Fleisch konsumieren, weniger fliegen, Fair Fashion und Second Hand kaufen, vielleicht eben beruflich in solchen Unternehmen oder Jobs tätig sind. Und dann verliere ich mich in so winzigen Kleinigkeiten. Wenn ich dann vielleicht doch mal irgendwie Fast Fashion shoppe oder doch mal irgendwie zu einem Familienmitglied irgendwo hinfliegen muss oder so. Und dann das totale schlechte Gewissen habe. Und dann beginne ich über die winzigsten Sachen in meinem Alltag. Ein schlechtes Gewissen, das limitiert mich dann total. Dieses schlechte Gewissen lässt mich eigentlich auch total zurückziehen. Ich will nicht, dass das irgendjemand sieht. Also ich rede dann vielleicht über gewisse Themen nicht mehr, weil ich mir denke, okay, wie kann ich für mich mich selber sagen, ich versuche mich klimafreundlich zu verhalten, wenn ich aber dann doch ab und zu irgendwie Fleisch esse, bei einem Familyessen oder beim Heurigen oder so. Das finde ich total schade, wenn das passiert. Oder bei Leuten, die vielleicht nicht so viel zu dem Thema wissen und auch noch nicht so viel zu dem Thema machen. Das kenne ich zum Beispiel von meiner Familie sehr, sehr gut. Bei den älteren Familienmitgliedern, wenn ich mit denen über Klimaschutz oder Nachhaltigkeit spreche, dann löst das bei denen total so ein defensives Verhalten aus. Also die fühlen sich immer dann beschuldigt und ziehen sofort zurück und sagen, nein wollen überhaupt nichts mehr zu diesem Thema wissen. Also lass uns mit diesem Öko-Fussel irgendwie alleine. Also es führt dazu, dass sie zumachen bei dem Thema und dann überhaupt nicht mehr erreichbar sind, da dazuzulernen.
Anna Kratki: Warum, glaubst du, dass eben diese ganze Thematik so negativ behaftet ist? Weil, du hast es gerade selber gesagt, Öko-Fussel.
Magdalena Wallis: Es ist ein totales Image-Problem, Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Also ich glaube, es wurde von Anfang an einfach falsch kommuniziert. Ich habe eben über die letzten Jahre mit verschiedensten Unternehmen, seien das wirklich die kleine Spenglerei irgendwie ein Ottakring, bis zum börsennotierten Unternehmen, gearbeitet. Und es ist einfach total oft, dass Leute Klimaschutz und Nachhaltigkeit mit etwas assoziieren, was mehr Arbeit bedeutet, was komplizierter ist, also unbequemer für privaten aber auch Arbeitsalltag und einfach mehr kostet. Und das ist jetzt etwas, was wir erstmal umbesetzen müssen. Nämlich, dass Klimaschutz eigentlich Lebensqualität bedeutet. Wir sprechen ja dann auch oft immer über die zukünftigen Generationen. Ja eh, die auch. Aber ich will ja auch ein schönes Leben haben in den nächsten Jahrzehnten. Also es geht ja nicht einmal nur um zukünftige Generationen. Und ich glaub, das müssen wir mal umbesetzen, dass es etwas Positives bedeutet. Und dort haben wir auch immer angesetzt, ja, nicht bei diesem Schuldgefühl. Weil Schuld hemmt. Schuld, oder dieses Schamgefühl eher, macht müde und nicht mutig. Aber was wir ja brauchen, ist eben dieser Mut, diese Handlungswillen, diese Aktivierung zu sagen, hey das ist ein geiles Thema, da will ich was dazu beitragen, da habe auch das Gefühl, ich kann etwas beitragen. Und diese Scham blockiert uns einfach. Also diese Green Guilt, Climate Guilt führt dazu, dass wir einfach ein Verhalten stoppen. Aber es baut kein neues Verhalten auf. Motivation, Inspiration, Wissen, dass da coole Alternativen oder coolere Handlungsalternativen da draußen sind, das ist dann erst ja das, was uns dazu bringt, wirklich es besser zu machen im Endeffekt.
Anna Kratki: Ist es deiner Meinung nach gescheiter zu schauen, eben Climate Guilt, dieses Schuldgefühl zu verhindern oder sollte man es eher hernehmen und sagen, okay, passt, ich empfinde dieses Gefühl, ich muss aber lernen, damit umzugehen?
Magdalena Wallis: Also ich kann es nicht verhindern, muss ich ehrlich sagen. Ich wünschte ich könnte es. Aber meine Erfahrung hat gezeigt, ich muss es einfach anerkennen. Ich muss verstehen und dem auch so ein bisschen Raum geben, so okay, ich spüre das jetzt gerade. Und dann muss ich aber das umwandeln und mir überlegen, was mache ich jetzt damit? Also diese Climate Guilt zeigt uns ja, irgendwas ist falsch. Und das ist ja ein gutes Gefühl. Weil wir machen ja noch viel zu viele Sachen die extrem unnachhaltig sind, extrem, ja, also nicht klimafreundlich. Und diese Climate Guilt zeigt uns, da stimmt was nicht an unserem Verhalten. Und manchmal ist das total verhältnismäßig. Ja, wenn ich jetzt eben, wie die Freundin vorgeschlagen hat, fahre, fliegen wir nach Portugal für das Wochenende. Weiß ich nicht, ob das jetzt sein muss. Wir sind jetzt nach Budapest gefahren am Wochenende mit dem Zug. Es war absolut toll. Ich glaube nicht, dass wir in Portugal ein besseres Wochenende gehabt haben. Also da hat mir meine Green Guilt etwas Positives gezeigt. Nämlich, dass es eine andere Handlung oder eine Alternative gibt, die genauso gut ist und uns genauso ein tolles Wochenende bietet. Ja, aber wenn ich dann irgendwie super schlechtes Gewissen habe, weil vor kurzem musste ich leider mal was bei Amazon bestellen, weil ich nirgendwo anders gefunden habe, dachte ich, ich habe das seit Jahren nicht bestellt, ich will da eigentlich nicht bestellen. Und da dachte ich mir dann, warum beschäftige ich mich gerade so viel damit? Du versuchst alles irgendwie Secondhand, auf Vinted, willhaben, wo auch immer zu kaufen, im Einzelhandel, kleine Unternehmen zu unterstützen. Da jetzt sich mega den Kopf drüber zu machen, das ist verschwendete Energie. Also es kommt immer darauf an, was mache ich jetzt damit? Und nur mit Wissen zu dem Thema kann ich das dann auch einschätzen,
Anna Kratki: Wir haben jetzt schon viel darüber gesprochen, wie es eben ist, als uns einzelne Personen. Lass uns mal eben über die Unternehmen sprechen. Welche Verantwortung haben denn Unternehmen?
Magdalena Wallis: Ich will da gar nicht zu lange drauf eingehen, weil ich glaube, eure Folge mit der Barbara Blaha ist da schon sehr, sehr gut drauf eingegangen, das Gespräch. Weil im Endeffekt Green Guilt versucht ja immer so zu sagen, es ist ein Charakterproblem. Ich müsste an meinem Verhalten was ändern. Aber der Klimawandel ist ein Systemproblem. Und das ist das, wo die Unternehmen dann, finde ich, hineinkommen. Unternehmen haben einen riesengroßen Hebel, wenn es zum Klimaschutz kommt. Und eine riesige Verantwortung. Und die muss erst einmal wahrgenommen werden. Also immer mehr Unternehmen sind bereit, dort auch hinzugehen. Da hat man gesehen, dass sich enorm viel getan hat, Gott sei Dank, in den letzten Jahren. Aber es muss auch noch sehr, sehr viel leider passieren. Also wir müssen erst einmal realisieren, okay, sie sind Teil des Problems. Und jetzt könnten sie aber auch irgendwie Teil der Lösung sein, wenn sie es wirklich ernst nehmen. Und dann geht es aber auch darum, wie beziehe ich jetzt meine eigenen Mitarbeiter*innen mit ein? Und wie nehme ich die jetzt auf der Reise dann tatsächlich mit, dass auch wirklich etwas passiert? Und dass wir nicht, wie so oft, einfach dann nur... ...schön reden und uns tolle Klimaziele, die ganz weit in der Zukunft sind, umsetzen. Und dann passiert aber eigentlich dazwischen nichts.
Anna Kratki: Weil Klimaschutz ja nicht nur auf Führungsebene passiert, sondern eben auch bei den Mitarbeitenden.
Magdalena Wallis: Ja. Also das haben wir ganz oft gesehen in der Realität, wenn wir mit Unternehmen zusammengearbeitet haben, und da diese nachhaltige Transformation vorantreiben wollten, hatten wir ganz oft so ein bisschen so ein Henne-Ei-Problem. Was kommt zuerst? Sollen wir die Mitarbeiter*innen aktivieren oder müssen wir erst einmal die Führungskräfte abholen? Und es braucht halt immer beides. Also das ist leider keine Antwort, die ich geben kann, mach das so oder mach das so, sondern du wirst beides brauchen. Ganz konkretes Beispiel. Viele Mitarbeiter*innen sind zu uns gekommen, haben gesagt, ja, Dienstreisen würden sie gern mehr mit dem Zug machen, aber ihre Führungskräfte lassen es nicht zu, weil die Tickets teurer sind, als wenn sie fliegen würden. Die Ressourcen werden nicht zur Verfügung gestellt. Es wird auch nicht die Zeit zur Verfügung gestellt, weil es wird nicht als Arbeitszeit gerechnet. Oder die Hotelkosten, wenn dann irgendwo mal übernachtet werden muss oder so, werden auch nicht gezahlt. Gut. Also die Mitarbeiter*innen wollten von den Führungskräften, dass dieser Rahmen gegeben wird. Valide. Wenn ich dann aber Führungskräfte-Weiterbildungen gemacht habe, sind die Führungskräfte zu mir gekommen und haben gesagt: Lena, Dienstreisen, riesengroßer Punkt bei unseren CO2-Emissionen da müssen wir was machen. Und wir stellen jetzt auch unseren Mitarbeiter*innen frei zur Verfügung, dass sie eben mit dem Zug die Dienstreisen machen. Es wird nicht angenommen. Es macht niemand. Und dann hast du natürlich dieses Henne-Ei-Problem. Es braucht immer so das eine, damit das andere aber dann folgt. Und deswegen braucht es beides, damit es im Endeffekt dann wirklich funktioniert. Natürlich kann man ich auch Variante 3 nehmen und sagen, okay, ich zwinge es jetzt meinen MitarbeiterInnen auf. Aber dann sind wir genau dort, der Fehler, der oft gemacht wurde: Es wird den Leuten aufgezwungen. Und dann wird das Ganze wieder mit einem Augenrollen und mit „Boah, ist das mühsam“ beantwortet. Und das hilft dem Image-Problem sicher auch nicht.
Anna Kratki: Wie schaffst du das dann, eben Mitarbeitenden das Gefühl zu geben, dass du nicht belehrst?
Magdalena Wallis: Fragen stellen. Also ich glaube, das ist einmal das Wichtigste, dass oft Kommunikation im Unternehmen total einseitig gedacht wird. Also es wird etwas kommuniziert und dann habe ich das Gefühl, die müssen das jetzt wissen. Jetzt ist ja erledigt, oder? Ich habe ja einen internen Newsletter ausgesendet. Aber du musst halt den Raum auch eröffnen, dass da Fragen zurückgestellt werden und auch, dass es einfach Spaß macht. Also wir haben total viel Klimaschutzaktionstag gemacht. Wir haben Cleanups mit Unternehmen gemacht, wo wir dann in den Wiener Prater gegangen sind oder wohin auch immer und Müll aufgesammelt haben. Und das aber dann so lustig verpackt haben, dass das dann kompetitiv war. Also wer hat am meisten gesammelt oder so. Dann gab es Preise zu gewinnen. Also dass Klimaschutz nicht als Selbstzweck ist, sondern dass das irgendwie in eine Aktivität auch eingebaut wird im Unternehmen oder in einen Raum auch eingebaut wird, wo die Leute schon eine gute Zeit haben. Dann kann ich das eben beginnen umzusetzen. Und vor allem, was der wichtigste Punkt ist, dann erreiche ich auch die, die nicht von vornherein schon Interesse haben fürs Thema. Weil das sind ja die, die wir eigentlich erreichen müssen. Die, die schon eine intrinsische Motivation haben, denen Nachhaltigkeit irgendwie so fast als Wert wichtig ist, die haben wir ja eh schon erreicht. Jetzt geht es ja darum, aus dieser Bubble auch wirklich dann längerfristig rauszukommen.
Anna Kratki: Das heißt, mit diesen Aktionen schaffst du es eben dann auch, die Mitarbeitenden mit einzubeziehen und nicht nur quasi die Führungsebene zu lehren.
Magdalena Wallis: Genau. Weil das ist dann etwas, wo ich auch sehe, ah, da sind auch andere dahinter. Da sind die Führungskräfte dahinter Das ist ganz wichtig, weil die haben eine super Vorbildfunktion. Also wenn wir wieder das Beispiel mit den Dienstreisen hernehmen. Wenn die Führungskräfte den MitarbeiterInnen sagen, ja, du fährst jetzt nach Hamburg, nach München nach Zürich, all diese Dienstreisen machst du jetzt alle mit dem Zug, aber selber mit ihrem Dienstwagen da hin und her fahren, ohne irgendwie auf die Kilometer zu achten. Warum sollten es dann die Mitarbeiter*innen selber machen? Also natürlich, diese Vorbildfunktion ist auch wichtig. Und gerade bei solchen Aktionstagen zum Beispiel wird das halt deutlich. Also dann wird es sichtbar auch. Und auf der anderen Seite sehen aber die Mitarbeiter*innen, hey, da sind auch andere, die interessieren sich auch für das Thema und eigentlich wollen die ja auch was machen. Also wir haben oft gehabt in unseren Kursen, dass wir dann bei großen Unternehmen, wo sich natürlich auch nicht alle kennen, die irgendwie in Online-Sessions gesessen sind und gesagt haben, ah cool, du interessierst dich auch für das Thema. Hey, wo sitzt denn du eigentlich? Wollen wir uns vielleicht mal auf einem Café treffen? Oder: Ja, da würde ich auch gerne die und die Initiative starten. Ich kenne auch wen in einem anderen Team, der würde da sicher mitmachen oder die. Und dass das dann erst wirklich Leute zusammengebracht hat. Das U-Interesse ist oft eh schon da, aber ich muss es halt irgendwie auch den Raum bieten, dass das dann hervorkommt.
Anna Kratki: Was man bei dir auch schon voll merkt, ist, dass die Klimakommunikation auch einfach positiv sein muss, oder?
Magdalena Wallis: Ja, und etwas, was Spaß machen darf. Also wie du gesagt hast, nicht dieses Belehrende mit dem Zeigefinger. Also darauf haben wir auch in unseren Trainings immer sehr aufgepasst, dass wir gar nicht sagen, was ihr unbedingt machen sollt, sondern wir wollen eher so ein bisschen zur Auswahl geben, was sind denn so Tipps und Tricks, die man machen kann. Aber sonst auch einfach sie selber herausfinden lassen, was sind denn Initiativen, was sind denn Maßnahmen, die man vielleicht im Unternehmen machen kann. Weil es ist ein Unterschied, ob ich in der Kommunikations- oder Marketingabteilung sitze, ob ich in der Produktabteilung, ob ich im Finance sitze. Da habe ich ja ganz andere Hebel, die ich auch als Mitarbeiter betätigen kann. Und das sind ja auch dann die Expert*innen für ihre jeweilige Abteilung. Also ich habe vielleicht ein ganz gutes Allgemeinwissen für das Thema Nachhaltigkeit und Klimaschutz, aber beim Thema Produktdesign von Holzleim kann ich dir leider schlichtweg relativ wenig dazu sagen. Also da wird die Person selber am besten herausfinden, was vielleicht eine nachhaltige Alternative ist.
Anna Kratki: Wie oft stößt ihr dann da trotzdem auf Gegenwind? Und wie schwierig ist es nämlich dann auch, genau diese Menschen, wo du auch schon gesagt hast, es ist so wichtig, dass man die überzeugt, wie schaffst du das dann, die zu überzeugen?
Magdalena Wallis: Man muss zwischen zwei Gruppen unterscheiden. Das eine sind die, die so ein bisschen, ich würde sagen, Schulter zucken. Also wenn du über Nachhaltigkeit und Klimaschutz sprichst und die sind so, ja okay, schon wieder eine. Das sind die, die du catchen willst. Weil das sind die, die haben sich noch keine Meinung gebildet. Die musst du catchen mit: What's in it for them? Also die werden sich immer fragen, was habe ich eigentlich davon? Was bringt mir das, wenn ich mich jetzt mit dem Thema auseinandersetze? Und das können total unterschiedliche Sachen sein. Das kann sein, dass wenn wir unsere Lieferkette nachhaltiger gestalten, haben wir einfach ein resilienteres Produktportfolio. Was bedeutet, ich habe einen sicheren Job. Gerade für Leute, die ein großes Sicherheitsbedürfnis haben, wäre das zum Beispiel ein Punkt, wo du sie catchen würdest. Dann sprichst du eben nicht per se über Klimaschutz, sondern dann solltest du viel mehr über resilientere Lieferketten und sichere Jobs sprechen. Weil das ist das, was die mehr catcht. Jemand anderes interessiert sich vielleicht nicht so sehr für Klimaschutz, Jemand anderes interessiert sich vielleicht nicht so sehr für Klimaschutz, aber würde gerne Führungserfahrungen machen, hat aber nicht die Möglichkeit im Team. Naja, vielleicht kann sich die Person in einem Green Team oder Klimaschutz Team oder was auch immer, da gibt es ganz viele Namen in Unternehmen dafür, da erste Erfahrungen sammeln. Vielleicht nicht auf formeller, aber dann so auf informeller Ebene, dass man da einfach neue Berufserfahrungen sammeln kann, die man woanders nicht machen kann. Also da nicht so sehr sich auf … Ich glaub, Leute, die sehr für das Thema Klimaschutz und Nachhaltigkeit brennen, wo ich mich auch dazu zähle, wir haben so das Gefühl, wir müssen in den Leuten dasselbe auslösen, wie das in uns irgendwann passiert ist. Ich bin auch nicht geboren worden mit, ach Klimaschutz ist geil, da will ich irgendwie einen Beruf draus machen, sondern das ist ja auch erst gekommen mit persönlichen Erfahrungen, die ich gemacht habe. Und jetzt versuche ich halt, meine eigene Motivation auf andere irgendwie so draufzulegen. Aber für andere kommt die Motivation vielleicht ganz woanders her. Und da muss ich halt schauen, wie kann ich die abholen. Das ist so die eine Gruppe. Und die zweite Gruppe sind KlimaleugnerInnen. Also die, die wirklich sagen, das stimmt nicht. Hatten wir auch schon, gab es immer wieder. Auch nach meinen Vorträgen bekomme ich immer wieder Nachrichten, ja ich soll aufhören mit der CO2-Propaganda und Co. Und die, ehrlich gesagt, kann ich nur empfehlen, links liegen lassen. Weil die sind eure Energie nicht wert, die sind meine Energie nicht wert. Wenn wir so weit sind, dass nachhaltiges Handeln, Tun, Denken Standard wird, dann schwimmen die eh mit, dann können die nichts mehr dagegen machen. Aber das sind halt die, die am Anfang leider immer sehr laut sind. Haben wir auch in der Vergangenheit schon oft gesehen. Also zum Beispiel Raucherthematik. Rauchverbot in Österreich, boah nein, Wirtshaussterben. Katastrophe, wie können wir drinnen nicht mehr rauchen. Gut, dann ist das Rauchverbot gekommen. Und wen juckt es wirklich? Die paar Leute gehen halt raus. Und die, die sich noch aufregen, können sich auch noch immer aufregen. Aber es ist halt jetzt passiert und gut ist es.
Anna Kratki: Was sagst du, sind so die typischen Fehler, die Unternehmen in der internen Klimakommunikation machen?
Magdalena Wallis: Eben dieses Einseitige auf jeden Fall. Also dieses Glauben, wenn ich es einmal kommuniziert habe, dann kann ich da so einen Haken drunter setzen. Interne Klimaschutzkommunikation und interne Klimaschutzkommunikation ist halt leider viel komplexer als man denkt. Man muss es total oft machen. Ganz viele verschiedene Touchpoints haben, also versuchen, es eben auf verschiedenen Channeln unterzubekommen. Dann, was sicher wichtig ist, ist, dass man auch Leute sich sucht, die das gut rüberbringen, denen man gern zuhört, die in einem was auslösen. Es gibt sausmarte Klimaexpert*innen da draußen, und die können es aber zum Beispiel stimmungsmäßig nicht rüberbringen. Die haben super Wissen, aber wenn die niemanden catchen können, fehlt da einfach etwas. Und ein anderer Fehler, der einfach oft gemacht wird, ist, wenn es eben wieder zu belehrend ist und zu dieses standardisiert, mach das, mach das, mach jenes. Und ich weiß eigentlich gar nicht, warum ich das machen soll. Und denke mir, okay, ich habe ja eh schon mein ganzes, also mein Terminkalender ist ja voll und jetzt wird von mir noch zusätzlich verlangt, etwas zu machen, aber ich habe keinen Mehrwert davon. Also dieses Einbetten, warum machen wir das jetzt? Warum ist das wirklich für uns als Unternehmen wichtig? Und deswegen wird auch sehr oft in der Klimakommunikation darüber gesprochen, dass du ja mit der Vision wirklich in Einklang bringen musst, damit der Weg für das Unternehmen und warum das eben so wichtig ist, klar ist auch für die Mitarbeiter*innen.
Anna Kratki: Welche Maßnahmen oder Ansätze haben deiner Meinung nach und deiner Erfahrung vor allem in Unternehmen besonders gut funktioniert?
Magdalena Wallis: Also es ist schon wichtig, faktenbasiert zu arbeiten, wissenschaftsbasiert. Also ich finde gerade, wenn man über Klimaschutz spricht, können wir nicht einfach irgendwas erzählen. Und gleichzeitig, und das ist ein ziemlicher Balanceakt, dürfen wir nicht nur mit Fakten und Zahlen kommunizieren, weil wir Menschen springen viel, viel öfter an auf Storys von Menschen, von Schicksalen. Das waren auch sicher die Sachen, die mich zum Klimaschutz und zur Nachhaltigkeit gebracht haben.
Anna Kratki: Was waren das für Sachen? Sag einmal.
Magdalena Wallis: Verschiedenste Erlebnisse. Ein Erlebnis, prägend - boah, das klingt jetzt richtig klischeehaft. Aber natürlich war ich auch einer der Menschen, der erstmal reisen gegangen ist nach meinem ersten Studium. Und bin schnorcheln gewesen. Auf Galapagos. Und hab dort meiner Meinung nach das schönste Tier auf Erden gesehen, nämlich eine Meeresschildkröte. Und sie ist unter mir durchgetaucht. Und ich war so, oh mein Gott, wie schön ist dieses Tier. Und bin nochmal runter, hab gleich nochmal eine gesehen und hab gesehen, hey, da ist irgendwas um den Hals bei dem Tier. Und hab gesehen, dass es so ein Sixpack-Bier ist, wie man es aus den amerikanischen Filmen oder so, die so sechs Dosen zusammenhalten. Und ich bin gleich aufgetaucht zu unserem Guide und war so hey, die hat da was um den Hals, ob wir sie befreien können. Und sie so, ja, ob ich sie im Wasser oder an Land gesehen hab. Nein, im Wasser, sie ist grad unter mir vorbeigeschwommen. Und der Guide so, vergiss es, die schaffen wir nie im Wasser zu catchen. Und ich so, okay, was wird jetzt passieren? Also, was passiert da, wenn die weiterwächst? Weil die war noch relativ klein. Und er so, ja, die wird ganz langsam sterben. Die wird ganz langsam ersticken, bis sie irgendwann nicht mehr genug Luft bekommt. Kann nicht mehr weiterwachsen. Und das wird zu ihrem Tod führen. Und das war eigentlich einer der prägendsten Momente für mich damals, zu sagen, okay, ich muss eigentlich auch beruflich was dafür oder dagegen machen. Weil da so viel davor passiert ist. Also ein Unternehmen produziert so ein Sechsertragerl irgendwie, ohne daran zu denken, wo das landet. Irgendwer, ein Konsument eine Konsumentin holt sich die paar Biere, setzt sich auf den Strand, weiß nicht, schaut dem wunderschönen Sonnenuntergang zu, denkt sich nichts dabei, trinkt ein Papier und lasst es am Ende liegen, denkt sich auch nichts Böses dabei. Und am Ende des Tages stirbt aber trotzdem die Schildkröte daran. Also es sind schon diese ganz vielen kleinen Entscheidungen, die da davor passiert sind, die dann einfach etwas auslösen, um zu einem großen Sterben an Meereschildkröten oder auch viele andere Tierarten führen. Und das war dann der Punkt, wo ich gesagt habe, okay, wir müssen uns all diese kleinen Entscheidungen, die davor sind, anschauen und dafür sorgen, dass die Leute wissen, dass ihre Handlungen einfach auch Auswirkungen haben.
Anna Kratki: Danke, dass du die Geschichte mit uns teilst. Voll spannend und auch voll traurig. Also es berührt irgendwie. Lass uns aber noch mal ganz kurz zu den Unternehmen zurückkehren. Welche Verhaltens- und Kommunikationsmuster beobachtest du in Unternehmen am häufigsten? Und was hat dich dabei vor allem positiv überrascht oder eben auch, wo du sagst, naja frustriert?
Magdalena Wallis: Ja, also große Frustration in den Unternehmen löst eben diese fehlende Vorbildfunktion aus. Also wenn einfach etwas gepredigt wird und nicht selber von der Führungsetage gelebt wird. Das ist ganz, ganz klar. Anna Kratki Ist das oft so? Magdalena Wallis Schon, leider noch immer, ja. Also dann werden Klimaziele einfach gesetzt. Und dann wird aber oft das Mitmanagement nicht mitgenommen. Also selbst wenn dann oft der Vorstand on board ist, wird einfach dieses Mitmanagement also diese ganzen Teamleads und so vergessen. Und die verstehen dann nicht, wie bringen sie das in ihre Teams und welche Verantwortung tragen sie eigentlich auch mit ihren Teams. Und dann wird es aber abgewälzt an die einzelnen Mitarbeiter*innen. Also das ist dann auch das, was oft für Frustration sorgt. Wenn dann gesagt wird, du, ihr dreht das Licht bitte ab und ich weiß nicht, ihr solltet euch kein Wasser mehr in Flaschen nehmen, sondern bitte trinkt das Leid Leitungswasser etc. Und dann denken sich die MitarbeiterInnen, ich soll das machen, aber mein Boss fährt mit dem Dienstwagen, keine Ahnung, München-Wien viermal in der Woche hin und retour. Aber da wird nicht drüber geredet. Also da muss man sich auch wirklich als Unternehmen Gedanken machen, was ist jetzt verhältnismäßig und was ist jetzt wirklich wesentlich für mich als Unternehmen, wo muss ich jetzt wirklich ansetzen? Also schiebe ich wirklich diese kleinen Sachen, wie keine Strohhalme verwenden auf meine Mitarbeiter*innen ab? Oder sollte ich mich nicht vielleicht mit meinem eigenen Produktportfolio auseinandersetzen? Und was ist mein Business? Was verkaufe ich da eigentlich? Und vielleicht eine ganz, ganz schöne Sache, die ich schon oft erlebt habe, ist, dass wenn Awareness für das Thema Klimaschutz und Nachhaltigkeit im Unternehmen besteht, dass sich das auch aufs Privatleben auswirkt. Also viele Teilnehmer*innen unserer Schulungen sind dann zu mir gekommen und haben gesagt, sie haben jetzt mit ihrem Sohn, mit ihrer Tochter drüber geredet, mit den Eltern, mit Partner*innen. Also das löst dann natürlich auch was persönlich aus, wenn es dich halt wirklich berührt.
Anna Kratki: Das wäre jetzt meine nächste Frage gewesen. Ob es eben persönliche Aha-Momente gibt oder Geschichten aus deiner Arbeit gibt, die dich eben sehr berührt haben? Gibt es da etwas anderes auch noch, was dir einfällt, wo du sagst, boah, das Unternehmen, das war so super, die haben da auf einmal irgendwie voll mitgearbeitet und es ist wirklich was vorangegangen?
Magdalena Wallis: Eine Geschichte, die erzähle ich immer ganz gerne, weil es sehr bezeichnend ist, wie wichtig Mitarbeiter*innen-Einbindung ist. Es war eine junge Nachhaltigkeitsbeauftragte in einem Unternehmen in Österreich am Land. Also ich würde mal sagen, eher auch von den Werten her eher konservativ geprägt. Und die wollte verschiedene Nachhaltigkeitsinitiativen vorantreiben. Und hat sich überlegt, was sie macht. Und hat das an ihren KollegInnen gepitcht. Und eine Sache war, dass sie in der Cafeteria weniger Fleisch anbieten wollte. Und die haben sich gesagt, mach das nicht, mach das nicht. Und sie so, ja, und ich habe eine besonders gute Idee. Wir werden am Leberkäs-Dienstag ansetzen. Und alle so, um Gottes Willen setz nicht beim Leberkäs-Dienstag an. Der Leberkäs-Dienstag ist das hoch und heiligste bei uns im Unternehmen. Am Dienstag sind alle da, weil es einen Leberkäse in der Cafeteria gibt oder in der Kantine. Das darfst du auf keinen Fall. Also Rufmord für dich selber. Und sie gesagt, nein, nein sie geht das trotzdem an. Sie möchte dieses Thema angehen. Und was sie dann gemacht hat, ist, sie hat nicht gesagt, es gibt den Leberkäs-Dienstag nicht. Oder auf einmal nur noch veganen oder vegetarischen Leberkäs angeboten. Sondern sie hat am besagten Leberkäs-Dienstag eine Verkostung angeboten. Und hat sich den besten veganen und vegetarischen Leberkäs aus ganz Österreich irgendwie geholt. Und hat den neben dem ganz normalen Fleisch-Leberkäs, den es jeden Dienstag gab, angeboten. Und die Leute haben dann eine Blindverkostung gemacht. Durften das dann bewerten. Und konnten dann eben aussuchen, welcher hat ihnen am besten geschmeckt. Oder war überraschend oder was auch immer. Und dann hat tatsächlich einer von den veganen oder vegetarischen Alternativen, war sehr, sehr hoch im Ranking einfach. Also die Mitarbeiter*innen haben dann sozusagen sich selber eine eigene vegetarisch-vegane Alternative gewählt.
Anna Kratki: Haben sie es dann aber auch akzeptiert?
Magdalena Wallis: Sie haben es akzeptiert, weil sie es ja selber gewählt haben. Und jetzt hat sie noch immer nicht den Fleisch-Leberkäs abgeschafft. Sondern es gibt jetzt einfach zusätzlich diese andere Variante. Und das ist eigentlich so ein Good-Practice-Beispiel. Weil du nimmst die mit und lässt die auswählen. Und betreibst damit so ein kleines Nudging. Also du sorgst dafür, dass sie selber sozusagen sich dieses bei ihnen geben. Ohne das andere wegzunehmen. Weil das wäre wahrscheinlich dort einfach auch noch zu früh gewesen. Also hier muss man immer vorsichtig sein und kleine Schritte gehen. Weil sonst sind wir wieder bei unseren Augenrollen. Und boah ist das mühsam. Und die wollen uns nur alles verbieten. Dort wollen wir ja nicht hin. Sondern wir wollen ja dort hin zu zeigen, es gibt auch bessere, klügere und klimafreundlichere Alternativen.
Anna Kratki: Wenn du Unternehmen heute noch einen zentralen Rat mitgeben darfst, könntest, müsstest. Was ist aus deiner Sicht der wichtigste Hebel, um Mitarbeitende wirklich für Klimaschutz mitzunehmen?
Magdalena Wallis: Also ich würde sagen, holt die vor den Vorhang, die schon was machen. Mit denen können wir uns am besten identifizieren. Also die intern im Unternehmen auch schon etwas tun. Es macht es einfach menschlicher, es macht es persönlicher. Im Idealfall sind das einfach verschiedene Menschen aus verschiedenen Hierarchie-Ebenen, aus verschiedenen Abteilungen. Mit verschiedenen Backgrounds. Weil jeder identifiziert sich einfach mit wem anderen besser. Also die wirklich, diese guten Beispiele herzuzeigen. Und damit zu zeigen, das ist cool. Damit Klimaschutz cool wird, positiv besetzt wird. Und das zweite ist einfach, überlegt es euch selber. Wenn ihr eine Initiative, ein Projekt macht, wird euch das Spaß machen, daran teilzunehmen. Und wenn die Antwort nein ist, dann noch einmal überarbeiten. Dann noch irgendeinen Twist finden, wie das Ganze cooler werden kann. Manche Unternehmenskulturen sind sehr kompetitiv. Also da funktionieren Wettbewerbe total gut. Manche andere Unternehmenskulturen sind sehr kreativ. Also da geht es darum dann, das vielleicht irgendwie mit Kunst oder mit etwas, was man zusammen schafft, irgendwie zu verbinden. Was irgendwie dann auch wieder für Zusammenhalt sorgt. Also sich immer zu überlegen, wie kann ich es eigentlich so cool und so attraktiv machen, dass auch wenn ich nicht für das Thema Klimaschutz und Nachhaltigkeit brenne, trotzdem ein Teil davon sein möchte.
Anna Kratki: Hey Magdalena, danke, dass du heute bei uns warst. Und danke für deinen positiven Drive, den du vor allem eben auch an Unternehmen weitergibst. Richtig wichtig und gut so. Und kurz vor Schluss haben wir jetzt noch den oekostrom AG Kurzschluss. Das bedeutet, ich stelle dir jetzt fünf Fragen und du darfst spontan antworten. Papierkalender oder App?
Magdalena Wallis: Uh, ich habe beides tatsächlich. Aber App, weil ich zu viele externe Termine habe.
Anna Kratki: Ins Café oder auf einen Spaziergang?
Magdalena Wallis: Auf jeden Fall Spaziergang. Ich habe einen Hund. Und da stehen Spaziergänge immer an der Tagesordnung.
Anna Kratki: Podcast oder Buch?
Magdalena Wallis: Auch schwierige Frage. Ich könnte ohne beides nicht. Ich höre mehr Podcasts. Aber habe mir speziell jetzt wieder vorgenommen, wieder mehr Bücher zu lesen.
Anna Kratki: Leise denken oder laut diskutieren?
Magdalena Wallis: Das überrascht euch jetzt vielleicht, aber ich bin jemand, der gerne laut diskutiert.
Anna Kratki: Und davor leise denkt wahrscheinlich.
Magdalena Wallis: Ab und zu.
Anna Kratki: Und letzte Frage. Chaos oder Ordnung?
Magdalena Wallis: Ordnung. Ich brauche schon meine Struktur. Natürlich darf es auch manchmal Chaos geben. Aber ich bin schon jemand, der es gerne strukturiert hat. Und einen Plan. Ein Klimaziel. Das wollen wir dann auch erreichen.
Anna Kratki: Magdalena, danke nochmal, dass du bei uns warst. Und danke an euch, dass ihr wieder eingeschaltet habt. Dass ihr zugehört, zugesehen habt. Wenn euch die Folge gefallen hat, dann lasst vielleicht ein Abo da. Und schickt es an Menschen weiter, denen das auch gefallen könnte. Und wir sehen und hören uns das nächste Mal wieder. Tschüssi.
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